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Ich war auch irritiert, als ich das erste Mal davon hörte.

 

Türkische Hochzeitskorsos auf Autobahnen, die im Konvoi die Fahrbahnen blockieren, den Verkehr zum Stehen bringen, mit Schreckschußpistolen rumballern und dann anfangen zu tanzen, zu singen und Selfies zu machen.

Wo gibt’s denn so was?

 

Es trifft das deutsche Selbstverständnis an einem neuralgischen Punkt: “unser heilig’s Blechle” ist in Gefahr. Und reflexartig erhallen sofort die Rufe nach der “vollen Härte des Gesetzes”, dass dieses verruchte Verhalten ein für alle Mal gnadenlos ausgerottet gehört sollte.

Ja, es ist schon interessant was die sich da trauen.

 

Wir könnten jetzt “von denen da” und “von uns” sprechen, um die ganze Geschichte in einer weiteren Litanei der Ausgrenzung fortzuführen. Aber dann drehen wir uns auf Ewigkeiten so im Kreis, wie unsere osmanischen Superhelden die mit rauchenden Reifen auf den blockierten Fahrbahnsteifen ihre Kreise ziehen – und merken es noch nicht einmal.

 

Vielleicht ist dieses orientalische Flashmob-Spiel nichts anderes als ein Spiegel für unsere deutsche Neurose. Eine Neurose, die das Auto für heilig erklärt ein. Die jedem von uns ein Selbstverständnis aufprägt, dass das Auto ein Statussymbol sei. Mehrere große Autobauer im Land wissen diese Ideologie geschickt zu nähren. Und die Realität, die auf deutschen Autobahnen gelebt wird, wird in dem ganzen Konstrukt als selbstverstärkendes Element benutzt.

Es gibt eine ganze Menge Anzeichen, dass das Thema Auto in Deutschland ein Synonym für Macht ist.

Nehmen wir das Beispiel mit der Deutschen Umwelthilfe. Ein Verein, der sich für stärkere Kontrollen und Sanktionen gegen Verantwortliche von Umweltverstößen einsetzt und Präsenz und Stärke damit zeigt, dass er diese mit gerichtlichen Klagen durchzusetzt. Die Umwelthilfe verteidigt unsere Gesellschaft insofern, als dass sie inzwischen sogar die Verhängung von Zwangsgeldern erwirkt hat und Beugehaft (!) gegen unwillige Politiker wie Winfried Kretschmann (ein Grüner!) oder Markus Söder prüft, die sich vehement weigern sich in dieser Hinsicht gesetzestreu zu verhalten.

Und das alles wegen unserer Autos?

Haben Autos wirklich solch einen Stellenwert in unser aller Leben, dass Ministerpräsidenten zweier großer Bundesländer es als legitim wähnen sich über Recht und Gesetz stellen zu können?

– Wenn dem so ist, dann müssen wir hinterfragen was Autos wirklich für uns bedeuten. Es könnte nämlich sein, dass wir sie zu etwas weit mehr hochstilisieren als sie eigentlich sind.

 

Autos in Deutschland sind ein Statussymbol.

Damit wird beeindruckt und geprotzt, oft subtil, manchmal bis sich die Balken biegen.

Die Dauerlinksfahrer auf den Autobahnen, die am liebsten die ganze Zeit noch mit eingeschaltetem Blinker an allen vorbeirauschen möchten, sind diejenigen die einfach nicht genug kriegen können von ihrer Aura der Macht, die sich so anonym im Schutz ihres Bleches um sie legt.

 

Nichts schien sie bisher aufhalten zu können.
Die Deutsche Umwelthilfe verlachten sie zuerst.
Als dann die ersten Urteile gegen sie gefällt waren, verging ihnen das Lachen und sie erwogen dem Verein die Gemeinnützigkeit entziehen zu lassen (gell, CDU?).
Aufkommende gesellschaftliche Diskussionen zu möglichen Geschwindigkeitsbeschränkungen wurden recht schnell abgewürgt.
Und die Bundesverkehrsminister wurden in den letzten 3 Legislaturperioden aus dem erlauchten Kreis der CSU erwählt. Sicherlich ein “guter Deal” für bayerische Straßenverhältnisse. Und ganz sicher beruhigende News für Autoliebhaber.

 

Aber jetzt:
Jetzt kommen die orientalischen Flashmobs.
Sie posieren auf unseren Autobahnen und fordern unsere Blicke ein. Die Blicke, die wir ihnen sonst versagen. Sie zwingen uns förmlich das zu tun, was die deutsche Gesellschaft so insgeheim gar nicht gern tun will: sie wahrzunehmen.
Sie piesacken uns am neuralgischsten Punkt den wir Deutsche zu haben scheinen: unserem Auto, unserer Autobahn, unserem Spiel das wir auf Autobahnen so gern spielen.

 

Unser Herrschaftsverhalten wird ad absurdum geführt.
Sie können das nämlich auch. Und sie können es genauso gut.
Sie mieten sich einfach die ganz, ganz teuren Wagen.
Und dann spielen sie Katz und Maus mit uns.
Vor unseren Augen.
Dort, wo wir nicht mehr wegschauen können.
Weil es “unser Heiligtum” ist.
Sie machen es nicht wie wir, indem sie auf’s Gas treten und davon brettern.
Nein. Sie bremsen. Sie bremsen uns aus. Sie zwingen uns zum Innehalten.
Sie zwingen uns ganz gekonnt zum Stillstand und zum Hinsehen.
Und dann geht die Party erst so richtig los.

 

Und sie lachen sich darüber schlapp wenn wir nach der “vollen Härte des Gesetzes” schreien. – Ähm, welches Gesetz eigentlich?

Jedes Kind in Deutschland weiß – saugt es mit der Muttermilch auf – dass es in diesem Land Dinge gibt, die so dermaßen lasch bestraft werden, dass sie eigentlich gar nicht bestraft werden. Die Abschreckung ist gleich null. Das frustriert regelmäßig Leidtragende wie auch Polizisten. Und ist im Übrigen, auch mit-verantwortlich für den längst nicht mehr übersehbaren gesellschaftlichen Dissens.

Aber jene, die diese krummen Dinger drehen, schreckt das drohende Strafmaß definitiv nicht ab.

Und wir wissen das alle auch nicht erst seit gestern.
Wir wissen das schon länger.
Aber es hat sich auch schon länger daran nichts geändert. Oder nicht genug.

 

Um auf das Phänomen mit den orientalischen Flashmobs zurückzukommen:
Die lachen sich kaputt, dass ihnen für einen Monat der Führerschein entzogen wird. Na und? Dann lassen sie sich halt vom Kumpel fahren. Na und?

 

Was heißt das jetzt für uns, als Gesellschaft?

Sollen wir dem Reflex nach der “vollen Härte des Gesetzes” nachgeben und die Strafen drastisch erhöhen?
Oder kann man ein abstrus ins Ungleichgewicht gebrachte Thema dadurch ausbalancieren, dass man sich die einzelnen Facetten dessen anschaut und dort korrigierende Maßnahmen einbringt?

Nicht wenige Menschen nehmen die gesetzlichen Sanktionsmaßnahmen gegen solche Grenzüberschreitungen als unausgewogen dar. An der Schraube könnte man sicherlich arbeiten.

Aber präventiv kann man auch einiges tun: nämlich z.B. dass wir uns als Gesellschaft damit auseinandersetzen, welchen Wert das Auto eigentlich für uns hat und ob die Überhöhung dieses “Nutzinstruments” wirklich angemessen ist.
Ein Auto ist ein Auto, und es ist keine Erweiterung oder Erhöhung des Wertes eines Menschen. Ja, es ist schon schön, dass es fährt und gut fährt und zuverlässig fährt … aber kein Mensch “wird wirklich mehr” deswegen. Das ist eine Illusion.

 

Ein Auto ist ein Auto, eine Uhr ist eine Uhr, eine Küchenmaschine ist eine Küchenmaschine.

 

Nichts davon steht auf Ewigkeiten zur Verfügung. Und nichts davon wird mit ins Grab genommen. Es ist genauso vergänglich wie die menschliche Hülle. Und es sind nichts als Protzereien mit grossen dicken Autos – ob von der deutschen Managerelite die die linke Fahrspur für sich für gepachtet hält, oder von orientalischen Flashmobs die in ihrem Durst nach Aufmerksamkeit die Fahrbahnen temporär als Zirkusmanege benutzen.

 

Das ist der Spiegel den sie uns als Gesellschaft vorhalten.
Das ist ein wunder Punkt für uns Deutsche.

 

Wie können wir das lösen?

Ganz grundsätzlich denke ich schon, dass wir eine Überarbeitung des Strafrechts brauchen. Und zwar eine wahrnehmbare Überarbeitung. Keine Erhöhung eines Ordnungsgeldes von 20 Euro, bei Dingen die das Gemeinschaftsleben wirklich nachhaltig stören.

Diese Tage las ich von einem Mann, der 370 Punkte in Flensburg angehäuft hatte. ‘Wie das?’ fragte ich mich. Und dann stellte sich heraus, dass diesem Typen schon vor Jahren der Führerschein entzogen worden war, er aber nachweisbar 150+ mal Auto gefahren ist, und er für jedes dieser Vergehen nun nachträglich 2 Punkte in Flensburg bekommen hatte. Und als sie ihm daraufhin das Fahrzeug entzogen haben, war er “sprachlos”. – Echt jetzt? Warum eigentlich nicht gleich so? – Ich meine 370 Punkte. Das ist schon ein bisschen … “ausserirdisch”. Oder nicht? Was dauerte daran eigentlich so lange, dass “dem Kind sein Spielzeug weggenommen” wurde?

Jeder kann natürlich für sich selbst überlegen, inwiefern persönliche Ressentiments und Vorurteile dazu beitragen, dass sich arabisch-, persisch- oder osmanischstämmige Bewohner unseres Landes so dermaßen ausgegrenzt aus der Gesellschaft fühlen, dass sie zu solchen grotesken Mitteln der Aufmerksamkeitserzwingung greifen müssen. — Aber das ist eine ganz andere Diskussion.

 

Was ich persönlich begrüße und denke es geht in die richtige Richtung, sind einige Ausläufer der Klimaschutzorganisationen. Blockaden und Fahrrad-Sternfahrten, wie sie gerade auf der Automesse IAA erlebbar waren, mit Slogans wie “Die Straße ist besetzt – Verkehrswende jetzt!” können durchaus helfen, den hypnotisierenden Griff der Autolobby um Deutschland zu lockern und Veränderungen “von unten” zu erzwingen.

In einem Interview mit Domian dass ich dieser Tage las, sagte er, dass das was auf deutschen Autobahnen stattfinde, Krieg sei. Ich sehe das ähnlich.

Arroganz und Dominanz verpackt in panzerähnliche Geschosse schüchtern tagein, tagaus Menschen ein, die einfach nur von A nach B wollen – und inständig hoffen, dass sie heil ankommen werden. Die nun geäußerte Angst vor SUVs ist ein Symptom dieses Krieges. Und während die Autolobby meint, die SUV’s würden verkauft weil die Leute sie “kaufen wöllten” – könnte es vielleicht auch einen Zusammenhang damit geben, dass die Leute sich heutzutage in SUV’s sicherer fühlen als in Klein- oder Mittelklassewagen? Auch wegen dieser “subtilen Kriegsspielchen” auf deutschen Autobahnen?

Protz und Sicherheitsbedenken sind zwei Facetten in diesem Thema, die eine größere Rolle spielen, als das gern zitierte Angebot-Nachfrage-Modell lobbyierender Autofetischisten.

 

Manchmal braucht man den Wink mit dem Zaunpfahl um zu sehen, dass etwas ganz arg schief läuft. Wir könnten unsere aller Anspannung ein bißchen loslassen, wenn wir unsere Autos nicht mehr als die “heiligen Blechles” sehen, für die sie uns verkauft werden. Sondern als das, als was sie ursprünglich mal konzipiert waren: Transportmittel. Ganz schlichtweg: Mittel zum Transport.

Das würde, so ganz nebenbei, auch eine ganze Menge Egos entspannen. Und das, ist ja nun wirklich nichts schlechtes.

Ich war auch irritiert, als ich das erste Mal davon hörte.

 

Türkische Hochzeitskorsos auf Autobahnen, die im Konvoi die Fahrbahnen blockieren, den Verkehr zum Stehen bringen, mit Schreckschußpistolen rumballern und dann anfangen zu tanzen, zu singen und Selfies zu machen.

Wo gibt’s denn so was?

 

Es trifft das deutsche Selbstverständnis an einem neuralgischen Punkt: “unser heilig’s Blechle” ist in Gefahr. Und reflexartig erhallen sofort die Rufe nach der “vollen Härte des Gesetzes”, dass dieses verruchte Verhalten ein für alle Mal gnadenlos ausgerottet gehört sollte.

Ja, es ist schon interessant was die sich da trauen.

 

Wir könnten jetzt “von denen da” und “von uns” sprechen, um die ganze Geschichte in einer weiteren Litanei der Ausgrenzung fortzuführen. Aber dann drehen wir uns auf Ewigkeiten so im Kreis, wie unsere osmanischen Superhelden die mit rauchenden Reifen auf den blockierten Fahrbahnsteifen ihre Kreise ziehen – und merken es noch nicht einmal.

 

Vielleicht ist dieses orientalische Flashmob-Spiel nichts anderes als ein Spiegel für unsere deutsche Neurose. Eine Neurose, die das Auto für heilig erklärt ein. Die jedem von uns ein Selbstverständnis aufprägt, dass das Auto ein Statussymbol sei. Mehrere große Autobauer im Land wissen diese Ideologie geschickt zu nähren. Und die Realität, die auf deutschen Autobahnen gelebt wird, wird in dem ganzen Konstrukt als selbstverstärkendes Element benutzt.

Es gibt eine ganze Menge Anzeichen, dass das Thema Auto in Deutschland ein Synonym für Macht ist.

Nehmen wir das Beispiel mit der Deutschen Umwelthilfe. Ein Verein, der sich für stärkere Kontrollen und Sanktionen gegen Verantwortliche von Umweltverstößen einsetzt und Präsenz und Stärke damit zeigt, dass er diese mit gerichtlichen Klagen durchzusetzt. Die Umwelthilfe verteidigt unsere Gesellschaft insofern, als dass sie inzwischen sogar die Verhängung von Zwangsgeldern erwirkt hat und Beugehaft (!) gegen unwillige Politiker wie Winfried Kretschmann (ein Grüner!) oder Markus Söder prüft, die sich vehement weigern sich in dieser Hinsicht gesetzestreu zu verhalten.

Und das alles wegen unserer Autos?

Haben Autos wirklich solch einen Stellenwert in unser aller Leben, dass Ministerpräsidenten zweier großer Bundesländer es als legitim wähnen sich über Recht und Gesetz stellen zu können?

– Wenn dem so ist, dann müssen wir hinterfragen was Autos wirklich für uns bedeuten. Es könnte nämlich sein, dass wir sie zu etwas weit mehr hochstilisieren als sie eigentlich sind.

 

Autos in Deutschland sind ein Statussymbol.

Damit wird beeindruckt und geprotzt, oft subtil, manchmal bis sich die Balken biegen.

Die Dauerlinksfahrer auf den Autobahnen, die am liebsten die ganze Zeit noch mit eingeschaltetem Blinker an allen vorbeirauschen möchten, sind diejenigen die einfach nicht genug kriegen können von ihrer Aura der Macht, die sich so anonym im Schutz ihres Bleches um sie legt.

 

Nichts schien sie bisher aufhalten zu können.
Die Deutsche Umwelthilfe verlachten sie zuerst.
Als dann die ersten Urteile gegen sie gefällt waren, verging ihnen das Lachen und sie erwogen dem Verein die Gemeinnützigkeit entziehen zu lassen (gell, CDU?).
Aufkommende gesellschaftliche Diskussionen zu möglichen Geschwindigkeitsbeschränkungen wurden recht schnell abgewürgt.
Und die Bundesverkehrsminister wurden in den letzten 3 Legislaturperioden aus dem erlauchten Kreis der CSU erwählt. Sicherlich ein “guter Deal” für bayerische Straßenverhältnisse. Und ganz sicher beruhigende News für Autoliebhaber.

 

Aber jetzt:
Jetzt kommen die orientalischen Flashmobs.
Sie posieren auf unseren Autobahnen und fordern unsere Blicke ein. Die Blicke, die wir ihnen sonst versagen. Sie zwingen uns förmlich das zu tun, was die deutsche Gesellschaft so insgeheim gar nicht gern tun will: sie wahrzunehmen.
Sie piesacken uns am neuralgischsten Punkt den wir Deutsche zu haben scheinen: unserem Auto, unserer Autobahn, unserem Spiel das wir auf Autobahnen so gern spielen.

 

Unser Herrschaftsverhalten wird ad absurdum geführt.
Sie können das nämlich auch. Und sie können es genauso gut.
Sie mieten sich einfach die ganz, ganz teuren Wagen.
Und dann spielen sie Katz und Maus mit uns.
Vor unseren Augen.
Dort, wo wir nicht mehr wegschauen können.
Weil es “unser Heiligtum” ist.
Sie machen es nicht wie wir, indem sie auf’s Gas treten und davon brettern.
Nein. Sie bremsen. Sie bremsen uns aus. Sie zwingen uns zum Innehalten.
Sie zwingen uns ganz gekonnt zum Stillstand und zum Hinsehen.
Und dann geht die Party erst so richtig los.

 

Und sie lachen sich darüber schlapp wenn wir nach der “vollen Härte des Gesetzes” schreien. – Ähm, welches Gesetz eigentlich?

Jedes Kind in Deutschland weiß – saugt es mit der Muttermilch auf – dass es in diesem Land Dinge gibt, die so dermaßen lasch bestraft werden, dass sie eigentlich gar nicht bestraft werden. Die Abschreckung ist gleich null. Das frustriert regelmäßig Leidtragende wie auch Polizisten. Und ist im Übrigen, auch mit-verantwortlich für den längst nicht mehr übersehbaren gesellschaftlichen Dissens.

Aber jene, die diese krummen Dinger drehen, schreckt das drohende Strafmaß definitiv nicht ab.

Und wir wissen das alle auch nicht erst seit gestern.
Wir wissen das schon länger.
Aber es hat sich auch schon länger daran nichts geändert. Oder nicht genug.

 

Um auf das Phänomen mit den orientalischen Flashmobs zurückzukommen:
Die lachen sich kaputt, dass ihnen für einen Monat der Führerschein entzogen wird. Na und? Dann lassen sie sich halt vom Kumpel fahren. Na und?

 

Was heißt das jetzt für uns, als Gesellschaft?

Sollen wir dem Reflex nach der “vollen Härte des Gesetzes” nachgeben und die Strafen drastisch erhöhen?
Oder kann man ein abstrus ins Ungleichgewicht gebrachte Thema dadurch ausbalancieren, dass man sich die einzelnen Facetten dessen anschaut und dort korrigierende Maßnahmen einbringt?

Nicht wenige Menschen nehmen die gesetzlichen Sanktionsmaßnahmen gegen solche Grenzüberschreitungen als unausgewogen dar. An der Schraube könnte man sicherlich arbeiten.

Aber präventiv kann man auch einiges tun: nämlich z.B. dass wir uns als Gesellschaft damit auseinandersetzen, welchen Wert das Auto eigentlich für uns hat und ob die Überhöhung dieses “Nutzinstruments” wirklich angemessen ist.
Ein Auto ist ein Auto, und es ist keine Erweiterung oder Erhöhung des Wertes eines Menschen. Ja, es ist schon schön, dass es fährt und gut fährt und zuverlässig fährt … aber kein Mensch “wird wirklich mehr” deswegen. Das ist eine Illusion.

 

Ein Auto ist ein Auto, eine Uhr ist eine Uhr, eine Küchenmaschine ist eine Küchenmaschine.

 

Nichts davon steht auf Ewigkeiten zur Verfügung. Und nichts davon wird mit ins Grab genommen. Es ist genauso vergänglich wie die menschliche Hülle. Und es sind nichts als Protzereien mit grossen dicken Autos – ob von der deutschen Managerelite die die linke Fahrspur für sich für gepachtet hält, oder von orientalischen Flashmobs die in ihrem Durst nach Aufmerksamkeit die Fahrbahnen temporär als Zirkusmanege benutzen.

 

Das ist der Spiegel den sie uns als Gesellschaft vorhalten.
Das ist ein wunder Punkt für uns Deutsche.

 

Wie können wir das lösen?

Ganz grundsätzlich denke ich schon, dass wir eine Überarbeitung des Strafrechts brauchen. Und zwar eine wahrnehmbare Überarbeitung. Keine Erhöhung eines Ordnungsgeldes von 20 Euro, bei Dingen die das Gemeinschaftsleben wirklich nachhaltig stören.

Diese Tage las ich von einem Mann, der 370 Punkte in Flensburg angehäuft hatte. ‘Wie das?’ fragte ich mich. Und dann stellte sich heraus, dass diesem Typen schon vor Jahren der Führerschein entzogen worden war, er aber nachweisbar 150+ mal Auto gefahren ist, und er für jedes dieser Vergehen nun nachträglich 2 Punkte in Flensburg bekommen hatte. Und als sie ihm daraufhin das Fahrzeug entzogen haben, war er “sprachlos”. – Echt jetzt? Warum eigentlich nicht gleich so? – Ich meine 370 Punkte. Das ist schon ein bisschen … “ausserirdisch”. Oder nicht? Was dauerte daran eigentlich so lange, dass “dem Kind sein Spielzeug weggenommen” wurde?

Jeder kann natürlich für sich selbst überlegen, inwiefern persönliche Ressentiments und Vorurteile dazu beitragen, dass sich arabisch-, persisch- oder osmanischstämmige Bewohner unseres Landes so dermaßen ausgegrenzt aus der Gesellschaft fühlen, dass sie zu solchen grotesken Mitteln der Aufmerksamkeitserzwingung greifen müssen. — Aber das ist eine ganz andere Diskussion.

 

Was ich persönlich begrüße und denke es geht in die richtige Richtung, sind einige Ausläufer der Klimaschutzorganisationen. Blockaden und Fahrrad-Sternfahrten, wie sie gerade auf der Automesse IAA erlebbar waren, mit Slogans wie “Die Straße ist besetzt – Verkehrswende jetzt!” können durchaus helfen, den hypnotisierenden Griff der Autolobby um Deutschland zu lockern und Veränderungen “von unten” zu erzwingen.

In einem Interview mit Domian dass ich dieser Tage las, sagte er, dass das was auf deutschen Autobahnen stattfinde, Krieg sei. Ich sehe das ähnlich.

Arroganz und Dominanz verpackt in panzerähnliche Geschosse schüchtern tagein, tagaus Menschen ein, die einfach nur von A nach B wollen – und inständig hoffen, dass sie heil ankommen werden. Die nun geäußerte Angst vor SUVs ist ein Symptom dieses Krieges. Und während die Autolobby meint, die SUV’s würden verkauft weil die Leute sie “kaufen wöllten” – könnte es vielleicht auch einen Zusammenhang damit geben, dass die Leute sich heutzutage in SUV’s sicherer fühlen als in Klein- oder Mittelklassewagen? Auch wegen dieser “subtilen Kriegsspielchen” auf deutschen Autobahnen?

Protz und Sicherheitsbedenken sind zwei Facetten in diesem Thema, die eine größere Rolle spielen, als das gern zitierte Angebot-Nachfrage-Modell lobbyierender Autofetischisten.

 

Manchmal braucht man den Wink mit dem Zaunpfahl um zu sehen, dass etwas ganz arg schief läuft. Wir könnten unsere aller Anspannung ein bißchen loslassen, wenn wir unsere Autos nicht mehr als die “heiligen Blechles” sehen, für die sie uns verkauft werden. Sondern als das, als was sie ursprünglich mal konzipiert waren: Transportmittel. Ganz schlichtweg: Mittel zum Transport.

Das würde, so ganz nebenbei, auch eine ganze Menge Egos entspannen. Und das, ist ja nun wirklich nichts schlechtes.

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