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Die Situation war ausweglos.
Egal, wie rum sie es drehte und welche Optionen sie in Betracht zog … wenn sie zusammen gingen, waren sie in weitaus grösserer Gefahr als wenn sie ihn zurückliess.

Der Gedanke war unerträglich. Die Vorstellung schauderte sie.
Ihr eigenes Kind zurücklassen? Ihr eigenes Kind vielleicht nie wieder sehen?
Ihr ging alles durch den Kopf. Fieberhaft suchte sie nach einem Ausweg.
Aber er war noch so klein … die Flucht würde er nicht überleben.
Konnte sie das tun? Konnte sie ihr Herz überzeugen, ihn dieser unbändigen Gefahr auszusetzen, nur damit es ruhiger schlagen würde jetzt? Und was wäre später?

Die Flucht würde gefährlich sein. Sehr gefährlich für ein kleines Kind. Aber nicht nur für das Kind, auch für die Erwachsenen war ein Kind dabei ein deutlich höheres Risiko für alle. Es war kaum zu verantworten. Und wenn er auf der Flucht stürbe, wem wäre dabei geholfen?

Sie konnte eigentlich nur eines tun.
Sie konnte ihm nur das Leben schenken. Ihn zurücklassen, aber ihm das Leben schenken.
Das war das, was die Liebe in ihrem Herzen ihr rat. Ihn zurückzulassen war eine Entscheidung aus Liebe. Alle anderen Optionen hätten seinen sicheren Tod bedeutet.

Und dennoch zögerte sie. So wie jede Mutter es tun würde.
Beklommenheit stieg in ihr auf. Trauer und Verzweiflung übermannten sie.
Sie würde sich die folgenden Nächte in den Schlaf weinen. Aber sie hatte praktisch keine Wahl.
Am Tage strich sie ihm liebevoll über den Kopf, und dachte für sich “Wirst du mir das jemals verzeihen?”

 

Es kam wie es kommen musste.
Sie ging und verlor ihren Sohn.
Er blieb zurück und verlor seine Mutter.

Das Gefühl, verlassen worden zu sein von der eigenen Mutter … ein Schmerz im Herzen der dem Wahnsinn in nichts nachsteht. Es ist unfassbar.
Die Emotionen bohrten sich durch sein Herz und er konnte diese Trauer sein ganzes Leben nicht überwinden. Trauer. Endlose Trauer. Ungerechtigkeit. Warum er? Warum liebte sie ihn nicht mehr?

Er konnte die wahren Gründe nicht wissen. Er kannte nur seine Gefühle. Und er blieb zurück mit ihnen. Allein mit ihnen.

 

———  ❖  ———

Geburten und Tode. Einige Leben später. Wir nehmen unsere ungelösten Geschichten mit.

Seine Gefühle waren noch immer mit ihm. Er wurde verlassen von den Frauen und es war inzwischen seine grösste Panik. Es war der Schmerz, der ihm sofort die Tränen in die Augen trieb, egal wo er war.

———  ❖  ———

 

Als sie ihn das erste Mal sah, dachte sie “Gott, ist der hübsch! Jetzt muss ich aber aufpassen!”
Er begegnete ihrem Blick, und sie wusste sofort “ich kenne ihn”.

Der Tag kam, an dem sie sich nicht mehr gemeinsam in einem Raum aufhalten konnten, ohne sich anzufassen. Es knisterte, und es war nur noch eine Frage des “wann”.

Sie lernte, dass er im Alter von 6 Monaten seine Mutter verloren hatte. Sie war erschossen worden als er noch ein kleines Baby war. Seine Trauer darüber, ohne Mutter aufgewachsen zu sein, war buchstäblich in seine Augen gebrannt.
In seinem Land hatten die Mütter eine herausragende Rolle in der Familie.
Er hatte einen Vater und ältere Geschwister. Aber seine Mutter fehlte ihm unendlich. Und besonders schmerzlich wurde er sich dessen immer dann bewusst, wenn er mit den Nachbarskindern gespielt hatte und deren Mutter die Bühne betrat. Er war anders, und das Loch dass er im Herzen fühlte, schien bodenlos.

 

Ihre Beziehung war schön. Kein Streit, kein Stress.
Aber zunehmend hatte sie das Gefühl, als wenn es eine Beziehung zwischen Mutter und Sohn wäre. Das war nicht das, was sie wollte. Sie wollte eine Beziehung auf Augenhöhe.
Aber das Drama in seinem Herzen, sein Schmerz, seine unaufgelösten Emotionen … es war mehr als unrealistisch hier den Schalter umzulegen.

Sie hörte in sich hinein. Sie mochte ihn. Sie schätzte ihn. Und sie war kurz davor alle ihre Pläne aufzugeben, um sein Herz zu heilen … aber sie bekam ein starkes, eindeutiges “Nein!

Die Beziehung musste enden.
Sie wusste nur nicht wie. Sie durchdachte ihre Optionen.

Es war endlos schwer.
So viel Tränen. So viel Drama. Bitteln und betteln. Und Tränen und Schmerz.
Ihr Herz fühlte sich wie ausgewrungen. Schuldgefühle und Trauer, Bedauern und Schwere zogen bei ihr ein. Und fühlten sich irgendwie vertraut an.
Wie konnte sie die Beziehung beenden und ihn dabei so wenig wie möglich verletzen? Und würde er ihr das jemals verzeihen?

Die Wucht seiner Dramatik entzog ihr mehrfach den Boden unter den Füssen. Es war schwer auszuhalten. Sie konnte es auch irgendwie gar nicht so richtig glauben.
Sie hatten ein Jahr zusammen verbracht. Aber seine Emotionen waren fast schon monströs.
Er war von gutem Charakter. Er war sanftmütig und überhaupt nicht gewalttätig. Es war einfach die schiere Wucht seiner Verzweiflung, seiner Trauer, seiner Ohnmacht, die hier auf sie einprallte.
Sie konnte nicht mehr. Sie wollte ihn nicht mehr sehen. Das war ihr alles viel zu intensiv.

 

Irgendwann liess er sie los. Es war ein gradueller Prozess, aber er schaffte es.
Es gab keinen Kontakt mehr zwischen ihnen.
Sie dachte immer weniger an ihn. Das Herz schmerzte weniger. Nur manchmal war sie noch wehmütig.

 

Und dann eines Tages, verstand sie.
Sie verstand die Parallele.
Sie sah die Situation damals … und zu was es sich in all den Leben ausgewachsen hatte.

Die Schuldgefühle … hatte sie immer noch.
Damals hatte sie keine Wahl. Sie hatte aus Liebe gehandelt. Und es war das einzig Vernünftige zu tun. Sie hatte ihm damit ein zweites Mal das Leben geschenkt. Auch wenn sie gehen musste, ohne ihn.

Er wurde von ihr verlassen.
Damals war sie seine Mutter. Dieses Mal war sie seine Freundin.
Zwischen diesen zwei Leben lagen viele mehr. Leben, in denen diese Gefühle manchmal wie Schatten über ihm hingen. Die Angst ihm immer irgendwo im Herzen sass. Er war Mann und er war Frau, und nicht in jedem seiner Leben spielte diese Angst eine Hauptrolle.
In diesem Leben, hier und jetzt, sollte es anders sein. Sein Ziel sollte es sein, diese alten Gefühle aufzulösen. Daher musste er sie wieder treffen. Die Geschichte noch einmal von vorne beginnen.

 

Dem Lauf der Zeit folgen zu können und die Geschichte zu verstehen, die sich für sie so schmerzvoll entfaltet hatte, war Segen und Heilung zugleich. Hätte sie diese Fähigkeit nicht, würde sie sich vielleicht auch immer und immer wieder fragen “Warum?”, “Warum ich?”, “Warum ist das passiert?”

 

Das Schicksal gibt uns selten die Antworten direkt.
Die Antworten wollen erarbeitet werden. Es sind die Lernprozesse, die wir im Leben erfahren, die uns reich machen.
In dem Moment, als sie verstand, dass ihre Entscheidung damals, ihren kleinen Sohn zurückzulassen, all dies ausgelöst hatte, war sie befreit. Sie hatte aus Liebe gehandelt. Sie hatte nicht wirklich eine Wahl. In der Situation … damals … war das das Einzige, was sie verantworten konnte.

Sie konnte nicht wissen, in was sich das in der Zukunft auswachsen würde. Niemand von uns kann das wissen. Das ist der Aspekt des Lebens, dem wir vertrauen müssen. Nämlich, dass wir genau dann dazu lernen und wachsen, wenn es die Situation erfordert. Dagegen können wir uns nicht absichern. Wir können nur eines tun … der Stimme unseres Herzens folgen.

 

Ihr Herz war jetzt etwas leichter. Sie verstand.Er verstand es noch nicht. Aber eines Tages würde er.
Sie hoffte, es würde noch in diesem Leben sein.
Weil sie wollte gern nochmal in seine Augen sehen, und sich vergewissern, dass die Liebe wieder ihren rechtmässigen Platz darin eingenommen hatte. Das würde ihr etwas bedeuten.

Die Situation war ausweglos.
Egal, wie rum sie es drehte und welche Optionen sie in Betracht zog … wenn sie zusammen gingen, waren sie in weitaus grösserer Gefahr als wenn sie ihn zurückliess.

Der Gedanke war unerträglich. Die Vorstellung schauderte sie.
Ihr eigenes Kind zurücklassen? Ihr eigenes Kind vielleicht nie wieder sehen?
Ihr ging alles durch den Kopf. Fieberhaft suchte sie nach einem Ausweg.
Aber er war noch so klein … die Flucht würde er nicht überleben.
Konnte sie das tun? Konnte sie ihr Herz überzeugen, ihn dieser unbändigen Gefahr auszusetzen, nur damit es ruhiger schlagen würde jetzt? Und was wäre später?

 

Die Flucht würde gefährlich sein. Sehr gefährlich für ein kleines Kind. Aber nicht nur für das Kind, auch für die Erwachsenen war ein Kind dabei ein deutlich höheres Risiko für alle. Es war kaum zu verantworten. Und wenn er auf der Flucht stürbe, wem wäre dabei geholfen?

Sie konnte eigentlich nur eines tun.
Sie konnte ihm nur das Leben schenken. Ihn zurücklassen, aber ihm das Leben schenken.
Das war das, was die Liebe in ihrem Herzen ihr rat. Ihn zurückzulassen war eine Entscheidung aus Liebe. Alle anderen Optionen hätten seinen sicheren Tod bedeutet.

Und dennoch zögerte sie. So wie jede Mutter es tun würde.
Beklommenheit stieg in ihr auf. Trauer und Verzweiflung übermannten sie.
Sie würde sich die folgenden Nächte in den Schlaf weinen. Aber sie hatte praktisch keine Wahl.
Am Tage strich sie ihm liebevoll über den Kopf, und dachte für sich “Wirst du mir das jemals verzeihen?”

 

 

Es kam wie es kommen musste.
Sie ging und verlor ihren Sohn.
Er blieb zurück und verlor seine Mutter.

Das Gefühl, verlassen worden zu sein von der eigenen Mutter … ein Schmerz im Herzen der dem Wahnsinn in nichts nachsteht. Es ist unfassbar.
Die Emotionen bohrten sich durch sein Herz und er konnte diese Trauer sein ganzes Leben nicht überwinden. Trauer. Endlose Trauer. Ungerechtigkeit. Warum er? Warum liebte sie ihn nicht mehr?

Er konnte die wahren Gründe nicht wissen. Er kannte nur seine Gefühle. Und er blieb zurück mit ihnen. Allein mit ihnen.

 

———  ❖  ———

Geburten und Tode. Einige Leben später. Wir nehmen unsere ungelösten Geschichten mit.

Seine Gefühle waren noch immer mit ihm. Er wurde verlassen von den Frauen und es war inzwischen seine grösste Panik. Es war der Schmerz, der ihm sofort die Tränen in die Augen trieb, egal wo er war.

———  ❖  ———

 

Als sie ihn das erste Mal sah, dachte sie “Gott, ist der hübsch! Jetzt muss ich aber aufpassen!”
Er begegnete ihrem Blick, und sie wusste sofort “ich kenne ihn”.

Der Tag kam, an dem sie sich nicht mehr gemeinsam in einem Raum aufhalten konnten, ohne sich anzufassen. Es knisterte, und es war nur noch eine Frage des “wann”.

 

Sie lernte, dass er im Alter von 6 Monaten seine Mutter verloren hatte. Sie war erschossen worden als er noch ein kleines Baby war. Seine Trauer darüber, ohne Mutter aufgewachsen zu sein, war buchstäblich in seine Augen gebrannt.
In seinem Land hatten die Mütter eine herausragende Rolle in der Familie.
Er hatte einen Vater und ältere Geschwister. Aber seine Mutter fehlte ihm unendlich. Und besonders schmerzlich wurde er sich dessen immer dann bewusst, wenn er mit den Nachbarskindern gespielt hatte und deren Mutter die Bühne betrat. Er war anders, und das Loch dass er im Herzen fühlte, schien bodenlos.

 

Ihre Beziehung war schön. Kein Streit, kein Stress.
Aber zunehmend hatte sie das Gefühl, als wenn es eine Beziehung zwischen Mutter und Sohn wäre. Das war nicht das, was sie wollte. Sie wollte eine Beziehung auf Augenhöhe.
Aber das Drama in seinem Herzen, sein Schmerz, seine unaufgelösten Emotionen … es war mehr als unrealistisch hier den Schalter umzulegen.

Sie hörte in sich hinein. Sie mochte ihn. Sie schätzte ihn. Und sie war kurz davor alle ihre Pläne aufzugeben, um sein Herz zu heilen … aber sie bekam ein starkes, eindeutiges “Nein!

 

Die Beziehung musste enden.
Sie wusste nur nicht wie. Sie durchdachte ihre Optionen.

 

Es war endlos schwer.
So viel Tränen. So viel Drama. Bitteln und betteln. Und Tränen und Schmerz.
Ihr Herz fühlte sich wie ausgewrungen. Schuldgefühle und Trauer, Bedauern und Schwere zogen bei ihr ein. Und fühlten sich irgendwie vertraut an.
Wie konnte sie die Beziehung beenden und ihn dabei so wenig wie möglich verletzen? Und würde er ihr das jemals verzeihen?

Die Wucht seiner Dramatik entzog ihr mehrfach den Boden unter den Füssen. Es war schwer auszuhalten. Sie konnte es auch irgendwie gar nicht so richtig glauben.
Sie hatten ein Jahr zusammen verbracht. Aber seine Emotionen waren fast schon monströs.
Er war von gutem Charakter. Er war sanftmütig und überhaupt nicht gewalttätig. Es war einfach die schiere Wucht seiner Verzweiflung, seiner Trauer, seiner Ohnmacht, die hier auf sie einprallte.
Sie konnte nicht mehr. Sie wollte ihn nicht mehr sehen. Das war ihr alles viel zu intensiv.

 

Irgendwann liess er sie los. Es war ein gradueller Prozess, aber er schaffte es.
Es gab keinen Kontakt mehr zwischen ihnen.
Sie dachte immer weniger an ihn. Das Herz schmerzte weniger. Nur manchmal war sie noch wehmütig.

 

Und dann eines Tages, verstand sie.
Sie verstand die Parallele.
Sie sah die Situation damals … und zu was es sich in all den Leben ausgewachsen hatte.

Die Schuldgefühle … hatte sie immer noch.
Damals hatte sie keine Wahl. Sie hatte aus Liebe gehandelt. Und es war das einzig Vernünftige zu tun. Sie hatte ihm damit ein zweites Mal das Leben geschenkt. Auch wenn sie gehen musste, ohne ihn.

 

Er wurde von ihr verlassen.
Damals war sie seine Mutter. Dieses Mal war sie seine Freundin.
Zwischen diesen zwei Leben lagen viele mehr. Leben, in denen diese Gefühle manchmal wie Schatten über ihm hingen. Die Angst ihm immer irgendwo im Herzen sass. Er war Mann und er war Frau, und nicht in jedem seiner Leben spielte diese Angst eine Hauptrolle.
In diesem Leben, hier und jetzt, sollte es anders sein. Sein Ziel sollte es sein, diese alten Gefühle aufzulösen. Daher musste er sie wieder treffen. Die Geschichte noch einmal von vorne beginnen.

 

Dem Lauf der Zeit folgen zu können und die Geschichte zu verstehen, die sich für sie so schmerzvoll entfaltet hatte, war Segen und Heilung zugleich. Hätte sie diese Fähigkeit nicht, würde sie sich vielleicht auch immer und immer wieder fragen “Warum?”, “Warum ich?”, “Warum ist das passiert?”

 

Das Schicksal gibt uns selten die Antworten direkt.
Die Antworten wollen erarbeitet werden. Es sind die Lernprozesse, die wir im Leben erfahren, die uns reich machen.
In dem Moment, als sie verstand, dass ihre Entscheidung damals, ihren kleinen Sohn zurückzulassen, all dies ausgelöst hatte, war sie befreit. Sie hatte aus Liebe gehandelt. Sie hatte nicht wirklich eine Wahl. In der Situation … damals … war das das Einzige, was sie verantworten konnte.
Sie konnte nicht wissen, in was sich das in der Zukunft auswachsen würde. Niemand von uns kann das wissen. Das ist der Aspekt des Lebens, dem wir vertrauen müssen. Nämlich, dass wir genau dann dazu lernen und wachsen, wenn es die Situation erfordert. Dagegen können wir uns nicht absichern. Wir können nur eines tun … der Stimme unseres Herzens folgen.

 

Ihr Herz war jetzt etwas leichter. Sie verstand.

Er verstand es noch nicht. Aber eines Tages würde er.
Sie hoffte, es würde noch in diesem Leben sein.
Weil sie wollte gern nochmal in seine Augen sehen, und sich vergewissern, dass die Liebe wieder ihren rechtmässigen Platz darin eingenommen hatte. Das würde ihr etwas bedeuten.

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