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Viele von uns fragen sich bange, wo dieser unübersehbare soziale Aufruhr hinführen soll.

Wir schreiben 2018, und unsere Gesellschaft ist gespalten.

 

Früher gab es mal die Zwei-Klassen-Teilung. Mehr oder weniger öffentlich bestätigt, aber es gab eine recht breite Schicht, die ihre Schäfchen im Trockenen glaubten oder hatten. Und es gab jene, weniger Privilegierte, die am Rande lebten und sich ausgegrenzt fühlten und waren.

Gefühlt, hat sich das verschoben. In der nachrückenden Generation fühlen sich mehr und mehr am Abdriften. Ein gesicherter Lebensstandard ist für sie nur noch Wunschdenken. Sie wissen, dass sie wohl keine Rente mehr bekommen werden. Sie hangeln sich mit Mindestlohn-Jobs durchs Leben und fragen sich berechtigterweise, wie ihr Leben im Alter aussehen wird.

Keine Eltern mehr, die noch mal den einen oder anderen Fuffziger rüberschieben könnten, eine Gesellschaft in der schon in der Vorstellung bedrohliche Krankheiten wie Alzheimer wie eine Seuche um sich greift, unbezahlbarer Wohnraum, ein in sich implodierendes Gesundheitssystem und gesellschaftliche Spannungen, die durch die globalen Migrationsbewegungen auf die Spitze getrieben werden.

 

Menschliche Konflikte zwischen Angehörigen unterschiedlicher Kulturen werden von Nazis zum Anlass genommen, den noch vorhandenen sozialen Kitt zu zerbröseln und bringen ein Level von Hass und Ignoranz an die Oberfläche, der so bisher nicht sichtbar war. Es raubt uns den Atem.

Lokal überschwappen uns Wellen von Apathie, Gewalt und Gleichgültigkeit, die in uns Beobachtern eine Mischung von Ungläubigkeit und Fassungslosigkeit auslösen.

 

Manch einer interpretiert das als schweigende Mehrheit.

Aber so einfach ist das nicht.

 

Pragmatisch gesehen, ist jeder sicherlich froh, wenn Hassdemonstrationen und Nazi-Parolen schreiende Demogänger nicht vor der eigenen Haustür anzutreffen sind. Weil jeder möchte schon gern sein Refugium der heilen Welt bewahrt wissen. Aber die, die in Heidenau, Chemnitz oder Köthen wohnen, können sich das jetzt nicht mehr aussuchen. Sie sind damit konfrontiert und müssen irgendwie lernen, damit umzugehen.

Und was ist mit denen, die dort gerade nicht leben?

Sind die fein raus und können es sich in ihrem Fernsehsessel gemütlich machen?

 

Mir ist völlig klar, dass meine Meinung eine Perspektive ist.

Würde ich in Chemnitz leben, wäre ich auch zur Demo #WirSindMehr gegangen. Ich wäre auch demonstrativ zu den Konzerten gegangen.

Aber ich lebe nicht in Chemnitz. Ich lebe ziemlich weit weg.

Aber ich mache mir trotzdem meine Gedanken.

 

Viele schweigen vielleicht aus Angst. Wer will es ihnen auch verübeln?

Aber viele von uns schweigen auch aus einem ganz anderen Grund.

 

Wir wissen, wir leben in einer polarisierten Welt.

Du kannst für oder gegen etwas sein.

Aber zu schweigen, heisst noch lange nicht, wir sind mit den dunklen, hasserfüllten, menschenverachtenden Energien einverstanden.

 

Das was uns als Menschen ausmacht, ist der Zugang zu unserem wahren Wesen.

Das sichere Wissen, dass es eine Kraft im Leben gibt, die tausendmal stärker ist als die Konzepte einer Kultur über das was richtig und falsch, angenehm und unangenehm, erwünscht und unerwünscht ist.

 

Es ist der Funke in unseren Herzen, der uns freundlich sein lässt.

Es ist der Funke in unseren Herzen, der uns verzeihen lässt.

Es ist dieser Funke in der Tiefe unseres Herzens, der uns tief durchatmen lässt in Momenten, wo etwas oder jemand uns unsere Wahrhaftigkeit, unser Selbstvertrauen, unsere Lebensfreude, unsere Wertschätzung zu rauben droht.

 

Wir sehen euch.

Wir hören eure Perspektive.

Ihr seid sehr laut.

Aber eure Lautstärke impliziert nicht, dass eure Forderungen, eure Weltanschauungen, eure Vorurteile die ultima ratio sind.

 

Das Leben ist keine Milchmädchenrechnung.

Hass und Ablehnung gegenüber anders Denkenden, anders Aussehenden, anders Fühlenden Menschen führt nur zu Krieg und Krieg und Krieg.

Liebe Nazis, liebe AfDler, liebe Pegidas – und unter welchen Pseudonymen ihr euch alle noch zusammen schliessen möget – was ist, wenn ihr euch Ziel erreicht, und alle Flüchtlinge und Asylsuchenden unser Land wieder verlassen?

Gebt ihr dann Ruhe?

Oder sucht ihr euch die nächsten leichten Opfer aus?

Und habt ihr schon mal überlegt, ob der andere Teil der Gesellschaft, der sich von euch mehr oder weniger laut distanziert, auch gerne dann noch mit euch zusammen leben möchte? Und was ist dann? Führt ihr dann Krieg gegen uns alle?

 

Die nächsten, die es trifft, sind wahrscheinlich Schwule, Lesben, Transsexuelle. Menschen, die nicht dem Status Quo entsprechen, und nach einer inneren Wahrheit in sich suchen um das zu finden, was sie authentisch sein lässt. Oder es sind die, die lila tragen. Oder die, die rote Haare haben. Oder die mit Sommersprossen im Gesicht …

 

Wenn viele von uns schweigen, dann auch deshalb, weil wir etwas in unseren Herzen tragen, dass sich an diesen polarisierenden Machtdemonstrationen nicht beteiligen mag.

 

Liebe.

 

Liebe ist nicht trivial.

Liebe ist die Kraft, die jeden von uns im Inneren zusammen hält.

Liebe plustert sich nicht auf und kämpft auch nicht darum, Recht zu behalten.

Die Liebe ist eine stille Kraft. Sie ist einfach da. Sie lässt uns euch beobachten. Sie lässt uns euch zuhören. Sie lässt uns erkennen, was da in euch ist, dass sich da so rabiat und unverhohlen seinen Platz erstreitet.

 

Wir mögen vielleicht schweigen. Aber wir tun auch etwas.

Manchmal still und im Hintergrund.

Manchmal fröhlich und bunt.

Manchmal ernsthaft und eindringlich.

 

Liebe sucht sich immer ihren Weg. Sie ist nicht laut, dreist und einnehmend.

Sie kommt manchmal in Klarheit, manchmal in Stille. Manchmal direkt und manchmal subtil.

 

Wir suchen durchaus den Kontakt zu euch. Wir suchen den Dialog mit euch. Wir haben die Hoffnung, dass eine ernsthafte, aufrichtige, wertschätzende Kommunikation zwischen Menschen dazu geeignet ist, neue Sichtweisen zu ermöglichen und uns als Gesellschaft – als Menschen – weiter bringt.

 

Niemand wird als Nazi geboren. Niemand kommt mit Frustration und Hass auf die Welt. Auch ihr nicht.

Wir alle wissen, dass gemachte Erfahrungen im Leben uns formen. Uns, und genauso auch euch.

 

Aber Perspektive ist immer auch eine Wahl.

 

Wenn wir nicht mit euch einer Meinung sein wollen, dann deswegen, weil wir erkennen, dass Ausgrenzung und Hass keine Zukunft hat. Jedes Kind weiss das. Wir lernen das alle aus Märchen, die unseren Sinn für Gerechtigkeit, Wahrheit und Weisheit schon früh in ihre Bahnen lenken.

Niemand von uns hat Bock auf eine apokalyptische Zukunft.

Niemand von uns ist glücklich darüber, dass es diesen Riss in unseren Gesellschaften gibt.

 

Meinungsverschiedenheiten sind normal, aber Gewalt, Denunzierung oder Verrohung sind nicht normal. Das ist nicht der Sinn des Lebens.

Wir setzen keine Kinder in die Welt, damit diese dann in Kriegen zwischen Kulturen als Kanonenfutter dienen. Dieser Schmerz im Herzen, unsere eigenen Kinder in sinnlosen Auseinandersetzungen geopfert zu sehen, ist unbeschreiblich. Es ist ein Schmerz, der uns vielleicht zurück bringt zu dem, was es heisst Mensch zu sein.

Dieser Schmerz ist unabhängig von jeglicher Hautfarbe oder Rasse. Niemand kann mir erzählen, dass Afghanen, Inder, Amerikaner oder Deutsche anders fühlen.

 

Das einzige was sein kann, dass manche überhaupt nicht mehr fühlen. Fühlen können.

Dass ihre Taubheitsschwelle bei 100 Prozent ist. Die Empfindungen anderer Menschen sie überhaupt nicht tangieren. Und sie sich einen Dreck darum scheren, was sie mit ihren Worten und Taten im anderen Menschen anrichten.

Es ist uns nicht egal, wenn ihr nicht mehr fühlen könnt.

Für uns heisst das, dass unsere Gesellschaft ein wirklich ernstes Problem hat.

 

Keine Empathie und Wertschätzung gegenüber Mitmenschen aufbringen zu können, bedeutet dann aber auch, dass ihr innerhalb eurer eigenen Zusammenschlüsse nur oberflächlich verbunden seid. Empfindet ihr Liebe füreinander? Und damit meine ich selbstverständlich nicht den sexuellen Ausdruck von Liebe.

Habt ihr Liebe für eure Kameraden, oder klopft ihr euch gegenseitig nur auf die Schultern bei dummen Sprüchen und bösartigen Handlungen? Was genau ist es, dass euch zusammen hält?

 

Wir nehmen sehr genau wahr. Und es gibt diese Ebene, in der wir Mitgefühl mit euch haben.

 

Wir beten für jene, die vergessen haben, was Liebe ist.

Wir beten für jene, die der kulturellen Oberflächlichkeit obheim gefallen sind, und glauben, dass Auto, Haus, Handy und ein dickes Bankkonto das non-plus-ultra des Lebens sind.

Wir beten für jene, die den Lebensstandard und grossen Reichtum der westlichen Zivilisation als gegeben hinnehmen, und das dadurch mit-verursachte globale Ungleichgewicht ignorieren.

Wir beten für jene, die den Kontakt zu sich selbst verloren haben und die Rechtfertigung dazu im Aussen suchen.

 

Nein, das Leben ist nicht solch eine Milchmädchenrechnung.

 

Ihr seid unsere Schulkameraden, Familienangehörigen, Arbeitskollegen. Jeder von uns kennt jemanden von euch. Wir haben gemeinsame Momente geteilt, und diese Momente waren nicht immer nur Momente des Hasses und der Ignoranz. Es waren auch Momente der Freundschaft, des Verstehens. Es waren Momente von Freude und Heiterkeit.

Wir alle wissen, dass das Leben manchmal hart und ungerecht sein kann. Aber das trifft jeden von uns. Und nicht jeder macht es sich so leicht, und verbarrikadiert sich hinter seiner Angst und Wut.

 

Als Schlusspunkt:

Nach der Wahrheit zu suchen, ist schwieriger und komplexer als mit dem Finger auf Andere zu zeigen. Ihr macht es euch zu leicht. Viel zu leicht.

Für uns ist es auch nicht immer einfach, Liebe und Mitgefühl für euch aufzubringen.

Dafür braucht es einen bewussten Akt. Eine Absicht. Manchmal auch eine Trotzreaktion.

Aber wir tun es. Trotzdem.

 

Weil das das Einzige ist, was die Welt zusammen hält. Liebe ist das, was das Leben lebenswert macht. Von Hass und Bosheit ist noch niemand glücklich geworden.

Das habe ich schon im Kindergarten aus den vielen Märchen gelernt.

“… und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie glücklich und zufrieden noch heute.”

Viele von uns fragen sich bange, wo dieser unübersehbare soziale Aufruhr hinführen soll.

Wir schreiben 2018, und unsere Gesellschaft ist gespalten.

 

Früher gab es mal die Zwei-Klassen-Teilung. Mehr oder weniger öffentlich bestätigt, aber es gab eine recht breite Schicht, die ihre Schäfchen im Trockenen glaubten oder hatten. Und es gab jene, weniger Privilegierte, die am Rande lebten und sich ausgegrenzt fühlten und waren.

Gefühlt, hat sich das verschoben. In der nachrückenden Generation fühlen sich mehr und mehr am Abdriften. Ein gesicherter Lebensstandard ist für sie nur noch Wunschdenken. Sie wissen, dass sie wohl keine Rente mehr bekommen werden. Sie hangeln sich mit Mindestlohn-Jobs durchs Leben und fragen sich berechtigterweise, wie ihr Leben im Alter aussehen wird.

Keine Eltern mehr, die noch mal den einen oder anderen Fuffziger rüberschieben könnten, eine Gesellschaft in der schon in der Vorstellung bedrohliche Krankheiten wie Alzheimer wie eine Seuche um sich greift, unbezahlbarer Wohnraum, ein in sich implodierendes Gesundheitssystem und gesellschaftliche Spannungen, die durch die globalen Migrationsbewegungen auf die Spitze getrieben werden.

 

Menschliche Konflikte zwischen Angehörigen unterschiedlicher Kulturen werden von Nazis zum Anlass genommen, den noch vorhandenen sozialen Kitt zu zerbröseln und bringen ein Level von Hass und Ignoranz an die Oberfläche, der so bisher nicht sichtbar war. Es raubt uns den Atem.

Lokal überschwappen uns Wellen von Apathie, Gewalt und Gleichgültigkeit, die in uns Beobachtern eine Mischung von Ungläubigkeit und Fassungslosigkeit auslösen.

 

Manch einer interpretiert das als schweigende Mehrheit.

Aber so einfach ist das nicht.

 

Pragmatisch gesehen, ist jeder sicherlich froh, wenn Hassdemonstrationen und Nazi-Parolen schreiende Demogänger nicht vor der eigenen Haustür anzutreffen sind. Weil jeder möchte schon gern sein Refugium der heilen Welt bewahrt wissen. Aber die, die in Heidenau, Chemnitz oder Köthen wohnen, können sich das jetzt nicht mehr aussuchen. Sie sind damit konfrontiert und müssen irgendwie lernen, damit umzugehen.

Und was ist mit denen, die dort gerade nicht leben?

Sind die fein raus und können es sich in ihrem Fernsehsessel gemütlich machen?

 

Mir ist völlig klar, dass meine Meinung eine Perspektive ist.

Würde ich in Chemnitz leben, wäre ich auch zur Demo #WirSindMehr gegangen. Ich wäre auch demonstrativ zu den Konzerten gegangen.

Aber ich lebe nicht in Chemnitz. Ich lebe ziemlich weit weg.

Aber ich mache mir trotzdem meine Gedanken.

 

Viele schweigen vielleicht aus Angst. Wer will es ihnen auch verübeln?

Aber viele von uns schweigen auch aus einem ganz anderen Grund.

 

Wir wissen, wir leben in einer polarisierten Welt.

Du kannst für oder gegen etwas sein.

Aber zu schweigen, heisst noch lange nicht, wir sind mit den dunklen, hasserfüllten, menschenverachtenden Energien einverstanden.

 

Das was uns als Menschen ausmacht, ist der Zugang zu unserem wahren Wesen.

Das sichere Wissen, dass es eine Kraft im Leben gibt, die tausendmal stärker ist als die Konzepte einer Kultur über das was richtig und falsch, angenehm und unangenehm, erwünscht und unerwünscht ist.

 

Es ist der Funke in unseren Herzen, der uns freundlich sein lässt.

Es ist der Funke in unseren Herzen, der uns verzeihen lässt.

Es ist dieser Funke in der Tiefe unseres Herzens, der uns tief durchatmen lässt in Momenten, wo etwas oder jemand uns unsere Wahrhaftigkeit, unser Selbstvertrauen, unsere Lebensfreude, unsere Wertschätzung zu rauben droht.

 

Wir sehen euch.

Wir hören eure Perspektive.

Ihr seid sehr laut.

Aber eure Lautstärke impliziert nicht, dass eure Forderungen, eure Weltanschauungen, eure Vorurteile die ultima ratio sind.

 

Das Leben ist keine Milchmädchenrechnung.

Hass und Ablehnung gegenüber anders Denkenden, anders Aussehenden, anders Fühlenden Menschen führt nur zu Krieg und Krieg und Krieg.

Liebe Nazis, liebe AfDler, liebe Pegidas – und unter welchen Pseudonymen ihr euch alle noch zusammen schliessen möget – was ist, wenn ihr euch Ziel erreicht, und alle Flüchtlinge und Asylsuchenden unser Land wieder verlassen?

Gebt ihr dann Ruhe?

Oder sucht ihr euch die nächsten leichten Opfer aus?

Und habt ihr schon mal überlegt, ob der andere Teil der Gesellschaft, der sich von euch mehr oder weniger laut distanziert, auch gerne dann noch mit euch zusammen leben möchte? Und was ist dann? Führt ihr dann Krieg gegen uns alle?

 

Die nächsten, die es trifft, sind wahrscheinlich Schwule, Lesben, Transsexuelle. Menschen, die nicht dem Status Quo entsprechen, und nach einer inneren Wahrheit in sich suchen um das zu finden, was sie authentisch sein lässt. Oder es sind die, die lila tragen. Oder die, die rote Haare haben. Oder die mit Sommersprossen im Gesicht …

 

Wenn viele von uns schweigen, dann auch deshalb, weil wir etwas in unseren Herzen tragen, dass sich an diesen polarisierenden Machtdemonstrationen nicht beteiligen mag.

 

Liebe.

 

Liebe ist nicht trivial.

Liebe ist die Kraft, die jeden von uns im Inneren zusammen hält.

Liebe plustert sich nicht auf und kämpft auch nicht darum, Recht zu behalten.

Die Liebe ist eine stille Kraft. Sie ist einfach da. Sie lässt uns euch beobachten. Sie lässt uns euch zuhören. Sie lässt uns erkennen, was da in euch ist, dass sich da so rabiat und unverhohlen seinen Platz erstreitet.

 

Wir mögen vielleicht schweigen. Aber wir tun auch etwas.

Manchmal still und im Hintergrund.

Manchmal fröhlich und bunt.

Manchmal ernsthaft und eindringlich.

 

Liebe sucht sich immer ihren Weg. Sie ist nicht laut, dreist und einnehmend.

Sie kommt manchmal in Klarheit, manchmal in Stille. Manchmal direkt und manchmal subtil.

 

Wir suchen durchaus den Kontakt zu euch. Wir suchen den Dialog mit euch. Wir haben die Hoffnung, dass eine ernsthafte, aufrichtige, wertschätzende Kommunikation zwischen Menschen dazu geeignet ist, neue Sichtweisen zu ermöglichen und uns als Gesellschaft – als Menschen – weiter bringt.

 

Niemand wird als Nazi geboren. Niemand kommt mit Frustration und Hass auf die Welt. Auch ihr nicht.

Wir alle wissen, dass gemachte Erfahrungen im Leben uns formen. Uns, und genauso auch euch.

 

Aber Perspektive ist immer auch eine Wahl.

 

Wenn wir nicht mit euch einer Meinung sein wollen, dann deswegen, weil wir erkennen, dass Ausgrenzung und Hass keine Zukunft hat. Jedes Kind weiss das. Wir lernen das alle aus Märchen, die unseren Sinn für Gerechtigkeit, Wahrheit und Weisheit schon früh in ihre Bahnen lenken.

Niemand von uns hat Bock auf eine apokalyptische Zukunft.

Niemand von uns ist glücklich darüber, dass es diesen Riss in unseren Gesellschaften gibt.

 

Meinungsverschiedenheiten sind normal, aber Gewalt, Denunzierung oder Verrohung sind nicht normal. Das ist nicht der Sinn des Lebens.

Wir setzen keine Kinder in die Welt, damit diese dann in Kriegen zwischen Kulturen als Kanonenfutter dienen. Dieser Schmerz im Herzen, unsere eigenen Kinder in sinnlosen Auseinandersetzungen geopfert zu sehen, ist unbeschreiblich. Es ist ein Schmerz, der uns vielleicht zurück bringt zu dem, was es heisst Mensch zu sein.

Dieser Schmerz ist unabhängig von jeglicher Hautfarbe oder Rasse. Niemand kann mir erzählen, dass Afghanen, Inder, Amerikaner oder Deutsche anders fühlen.

 

Das einzige was sein kann, dass manche überhaupt nicht mehr fühlen. Fühlen können.

Dass ihre Taubheitsschwelle bei 100 Prozent ist. Die Empfindungen anderer Menschen sie überhaupt nicht tangieren. Und sie sich einen Dreck darum scheren, was sie mit ihren Worten und Taten im anderen Menschen anrichten.

Es ist uns nicht egal, wenn ihr nicht mehr fühlen könnt.

Für uns heisst das, dass unsere Gesellschaft ein wirklich ernstes Problem hat.

 

Keine Empathie und Wertschätzung gegenüber Mitmenschen aufbringen zu können, bedeutet dann aber auch, dass ihr innerhalb eurer eigenen Zusammenschlüsse nur oberflächlich verbunden seid. Empfindet ihr Liebe füreinander? Und damit meine ich selbstverständlich nicht den sexuellen Ausdruck von Liebe.

Habt ihr Liebe für eure Kameraden, oder klopft ihr euch gegenseitig nur auf die Schultern bei dummen Sprüchen und bösartigen Handlungen? Was genau ist es, dass euch zusammen hält?

 

Wir nehmen sehr genau wahr. Und es gibt diese Ebene, in der wir Mitgefühl mit euch haben.

 

Wir beten für jene, die vergessen haben, was Liebe ist.

Wir beten für jene, die der kulturellen Oberflächlichkeit obheim gefallen sind, und glauben, dass Auto, Haus, Handy und ein dickes Bankkonto das non-plus-ultra des Lebens sind.

Wir beten für jene, die den Lebensstandard und grossen Reichtum der westlichen Zivilisation als gegeben hinnehmen, und das dadurch mit-verursachte globale Ungleichgewicht ignorieren.

Wir beten für jene, die den Kontakt zu sich selbst verloren haben und die Rechtfertigung dazu im Aussen suchen.

 

Nein, das Leben ist nicht solch eine Milchmädchenrechnung.

 

Ihr seid unsere Schulkameraden, Familienangehörigen, Arbeitskollegen. Jeder von uns kennt jemanden von euch. Wir haben gemeinsame Momente geteilt, und diese Momente waren nicht immer nur Momente des Hasses und der Ignoranz. Es waren auch Momente der Freundschaft, des Verstehens. Es waren Momente von Freude und Heiterkeit.

Wir alle wissen, dass das Leben manchmal hart und ungerecht sein kann. Aber das trifft jeden von uns. Und nicht jeder macht es sich so leicht, und verbarrikadiert sich hinter seiner Angst und Wut.

 

Als Schlusspunkt:

Nach der Wahrheit zu suchen, ist schwieriger und komplexer als mit dem Finger auf Andere zu zeigen. Ihr macht es euch zu leicht. Viel zu leicht.

Für uns ist es auch nicht immer einfach, Liebe und Mitgefühl für euch aufzubringen.

Dafür braucht es einen bewussten Akt. Eine Absicht. Manchmal auch eine Trotzreaktion.

Aber wir tun es. Trotzdem.

 

Weil das das Einzige ist, was die Welt zusammen hält. Liebe ist das, was das Leben lebenswert macht. Von Hass und Bosheit ist noch niemand glücklich geworden.

Das habe ich schon im Kindergarten aus den vielen Märchen gelernt.

“… und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie glücklich und zufrieden noch heute.”

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