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Ja, die Meinungsfreiheit ist Teil unseres Wertesystems. Er kann sich darauf berufen. Er kann sich damit rechtfertigen. Er kann sich damit reinzuwaschen versuchen.

Aber es gibt auch eine andere Ebene zu diesem Vorkommnis. Und nicht wenige verstehen diese andere Ebene genauso gut. Wenn gleich auch nicht jeder es verbal auszudrücken vermag.

Ilkay Gündoĝan’s Treffen mit dem türkischen Präsidenten Erdoĝan, und noch dazu sein Trikotgeschenk mit der Aufschrift “In Respekt für meinen Präsidenten”, hat eine Heftigkeit in der deutschen Gesellschaft ausgelöst, die Gündoĝan so überhaupt nicht hat kommen sehen.

Nun, man kann sich fragen, konnte er nicht oder wollte er nicht?

Und eines sei hier vorweg genommen. Es geht nicht wirklich um ein Bekenntnis zu deutschen Werten. Ich kaufe ihm ab, dass er Werte wie Disziplin, Fleiß, Ehrlichkeit in seinem Leben fest etabliert hat. Ohne diese Tugenden wäre er als Spitzensportler nicht so weit gekommen. Und es sei ja fairerweise gesagt: Fußballspielen kann er.

Auch in der deutschen Gesellschaft gibt es keinen einhelligen Konsens zu dem was so allgemein als “deutsche Werte” bezeichnet wird. Wenn es das gäbe, hätten wir nicht das Problem mit Populisten oder Nazis. Also einen gewissen Werteclash gibt es und hat es auch schon immer gegeben.
Nein, die Wertedebatte taugt nicht dafür, um Gündoĝan’s Verhalten tolerierbar zu machen.

 

Es ist diese andere Ebene, auf der Gündoĝan eine Aussage gemacht hat, die ihm das Kollektiv verübelt.

 

Als Kollektiv, als Menschheit, egal welchen Glaubens, welcher Hautfarbe, welchen Geschlechts, welchen Alters, als Kollektiv arbeiten wir an Etwas. Die einen bewußt, die anderen unbewußt.
Wir arbeiten daran, diesem Planeten und dieser Gesellschaft eine Zukunft zu geben.

Millionen von Menschen überall auf der Welt, in jedem Land, in jeder Stadt, überall – arbeiten daran, die Lebensbedingungen für andere Menschen zu verbessern. Wir wehren uns gegen Repressionen, Ungerechtigkeit und Willkür. Wir wehren uns dagegen ausgenutzt zu werden. Wir suchen nach Möglichkeiten, Unterdrückung, Korruption und ungerechtfertigte staatliche Gewalt transparent zu machen. Wir versuchen den Ärmsten der Armen zu helfen. Und vor allem, suchen wir nach nachhaltigen Lösungen.

 

Es gibt nicht mehr viele supermächtige Alphamännchen in hoher politischer Stellung, die mit der Art wie sie regieren, für negative Aufmerksamkeit sorgen. Aber Erdoĝan ist ganz sicher einer von ihnen.

 

Einer, der sich einen prunkvollen Palast mitten ins Naturschutzgebiet hat bauen lassen.

Einer, der eine Revolte gegen ihn dazu benutzt, um tausende und abertausende Andersdenkende ihrer Lebensgrundlage zu berauben.

Einer, der ohne triftigen Grund, den Ausnahmezustand im eigenen Land immer wieder verlängert und die Rechte der Menschen damit mit Füßen tritt.

Einer, der die Medien seines Landes vollkommen unter seine Kontrolle gebracht hat und auf allen Kanälen omnipräsent ist.

Einer, der in Debatten mit unbequemen ausländischen Politikern schnell mal eben die Nazikeule schwingt.

Einer, der beim Absturz der Landeswährung seine “Brüder” dazu aufruft, ihr Erspartes in Landeswährung umzutauschen, um einen möglichen wirtschaftlichen Kollaps zu unterbinden.

Einer, der aufmerksame Beobachter und Berichterstatter seines Tuns ohne Anklage monate- ja sogar jahrelang einfach ins Gefängnis wirft.

 

Und Herr Gündoĝan?

Überreicht so einem ein Trikot mit der Aufschrift “In Respekt für meinen Präsidenten”.

 

Echt jetzt?

 

Ich meine, diese Frage ist schon berechtigt, Herr Gündoĝan!
Ist das jetzt Ihr Ernst?

 

Das ist die Ebene, von der ich anfangs geredet habe.
Als Kollektiv sehen und spüren wir sehr genau, was Sie uns hier kommunizieren, Herr Gündoĝan! Und als Kollektiv haben wir sehr wohl auch wahrgenommen, dass Ihr anschließender Besuch beim deutschen Präsidenten eine Inszenierung war.

Halten Sie uns wirklich für so blöd?
Soviel sei Ihnen verraten: wir sind sehr wachsam.

Viele von uns wissen, was hier auf diesem Planeten gespielt wird.

Ihrer überraschten Reaktion entnehme ich, dass sie es (noch) nicht wissen.
Das ist ok. Jeder wacht irgendwann mal auf.

 

Die Ignoranz und Gleichgültigkeit gegenüber der repressiven Situation in der Türkei, die Sie durch Ihre Aktion offenbart haben, Herr Gündoĝan, haben wir zur Kenntnis genommen.

 

Alle Religionen haben ihren Ursprung in Gott. Das ist ihr verbindender Aspekt. In der christlichen Religion gibt es einen Spruch, einen mit stoischer Wahrheit: “Man wird sie an ihren Taten erkennen, nicht an ihren Worten.”
Sie zeigen Respekt für einen der menschenverachtendsten Despoten unserer Zeit, Herr Gündoĝan. Das hat nichts, aber auch gar nichts mit Höflichkeit zu tun. Bestenfalls ist das blinder Gehorsam, zementiert durch kulturellen Patriarchalismus. Es ist kein Akt von Höflichkeit, sich vor laufenden Kameras einem alten Mann anzubiedern, der seine Macht rücksichts- und bedenkenlos jenen gegenüber ausnutzt, die sich ihm in den Weg stellen.

 

Ich kann nachvollziehen, dass die Heftigkeit der öffentlichen Reaktionen für Sie überraschend kam. Ich kenne Sie nicht persönlich und weiß nicht, wie Sie leben. Daher kann ich mir kein Urteil darüber erlauben, ob dies alles wirklich so überraschend für Sie war.
Wir alle leben in mehr oder weniger großen Realitätsblasen. Vielleicht ist Ihre ja tatsächlich so angelegt, dass Sie alles Unterdrückende, alles Ungerechte, alles Inakzeptable, alles Menschenverachtende – in der Türkei ausblendet.
Kann ja sein. Ich mutmaße nur. Ich weiß es nicht. Sie wissen das sicher besser als ich.

 

Und ich hoffe, das nächste Mal wenn Sie sich auf die Meinungsfreiheit berufen, Herr Gündoĝan, dann denken Sie bitte vorher an die Intelligenz der Masse.
Wir sind sehr wohl in der Lage eins und eins zusammenzuzählen. Ob sie bewußt oder unbewußt auf dieser Ebene kommunizieren … auf jeden Fall kommunizieren sie. Und wir registrieren das.

Unbewußte Kommunikation ist keine Entschuldigung.
Aber unsere Reaktion auf Ihre Unbewußtheit, wird Ihnen hoffentlich Anstoß zur Reflektion geben.

 

Für uns ist es nicht hinnehmbar, dass jemand der uns als Kollektiv in der Öffentlichkeit präsentiert – als Teil der “Mannschaft” – unsere kollektiven Anstrengungen (und damit sind nicht nur jene auf deutscher oder türkischer Ebene gemeint) so denunziert.

Auch nicht, wenn er nicht weiß, was er tut.

Ja, die Meinungsfreiheit ist Teil unseres Wertesystems. Er kann sich darauf berufen. Er kann sich damit rechtfertigen. Er kann sich damit reinzuwaschen versuchen.

Aber es gibt auch eine andere Ebene zu diesem Vorkommnis. Und nicht wenige verstehen diese andere Ebene genauso gut. Wenn gleich auch nicht jeder es verbal auszudrücken vermag.

Ilkay Gündoĝan’s Treffen mit dem türkischen Präsidenten Erdoĝan, und noch dazu sein Trikotgeschenk mit der Aufschrift “In Respekt für meinen Präsidenten”, hat eine Heftigkeit in der deutschen Gesellschaft ausgelöst, die Gündoĝan so überhaupt nicht hat kommen sehen.

Nun, man kann sich fragen, konnte er nicht oder wollte er nicht?

Und eines sei hier vorweg genommen. Es geht nicht wirklich um ein Bekenntnis zu deutschen Werten. Ich kaufe ihm ab, dass er Werte wie Disziplin, Fleiß, Ehrlichkeit in seinem Leben fest etabliert hat. Ohne diese Tugenden wäre er als Spitzensportler nicht so weit gekommen. Und es sei ja fairerweise gesagt: Fußballspielen kann er.

Auch in der deutschen Gesellschaft gibt es keinen einhelligen Konsens zu dem was so allgemein als “deutsche Werte” bezeichnet wird. Wenn es das gäbe, hätten wir nicht das Problem mit Populisten oder Nazis. Also einen gewissen Werteclash gibt es und hat es auch schon immer gegeben.
Nein, die Wertedebatte taugt nicht dafür, um Gündoĝan’s Verhalten tolerierbar zu machen.

 

Es ist diese andere Ebene, auf der Gündoĝan eine Aussage gemacht hat, die ihm das Kollektiv verübelt.

 

Als Kollektiv, als Menschheit, egal welchen Glaubens, welcher Hautfarbe, welchen Geschlechts, welchen Alters, als Kollektiv arbeiten wir an Etwas. Die einen bewußt, die anderen unbewußt.
Wir arbeiten daran, diesem Planeten und dieser Gesellschaft eine Zukunft zu geben.

Millionen von Menschen überall auf der Welt, in jedem Land, in jeder Stadt, überall – arbeiten daran, die Lebensbedingungen für andere Menschen zu verbessern. Wir wehren uns gegen Repressionen, Ungerechtigkeit und Willkür. Wir wehren uns dagegen ausgenutzt zu werden. Wir suchen nach Möglichkeiten, Unterdrückung, Korruption und ungerechtfertigte staatliche Gewalt transparent zu machen. Wir versuchen den Ärmsten der Armen zu helfen. Und vor allem, suchen wir nach nachhaltigen Lösungen.

 

Es gibt nicht mehr viele supermächtige Alphamännchen in hoher politischer Stellung, die mit der Art wie sie regieren, für negative Aufmerksamkeit sorgen. Aber Erdoĝan ist ganz sicher einer von ihnen.

 

Einer, der sich einen prunkvollen Palast mitten ins Naturschutzgebiet hat bauen lassen.

Einer, der eine Revolte gegen ihn dazu benutzt, um tausende und abertausende Andersdenkende ihrer Lebensgrundlage zu berauben.

Einer, der ohne triftigen Grund, den Ausnahmezustand im eigenen Land immer wieder verlängert und die Rechte der Menschen damit mit Füßen tritt.

Einer, der die Medien seines Landes vollkommen unter seine Kontrolle gebracht hat und auf allen Kanälen omnipräsent ist.

Einer, der in Debatten mit unbequemen ausländischen Politikern schnell mal eben die Nazikeule schwingt.

Einer, der beim Absturz der Landeswährung seine “Brüder” dazu aufruft, ihr Erspartes in Landeswährung umzutauschen, um einen möglichen wirtschaftlichen Kollaps zu unterbinden.

Einer, der aufmerksame Beobachter und Berichterstatter seines Tuns ohne Anklage monate- ja sogar jahrelang einfach ins Gefängnis wirft.

 

Und Herr Gündoĝan?

Überreicht so einem ein Trikot mit der Aufschrift “In Respekt für meinen Präsidenten”.

 

Echt jetzt?

 

Ich meine, diese Frage ist schon berechtigt, Herr Gündoĝan!
Ist das jetzt Ihr Ernst?

 

Das ist die Ebene, von der ich anfangs geredet habe.
Als Kollektiv sehen und spüren wir sehr genau, was Sie uns hier kommunizieren, Herr Gündoĝan! Und als Kollektiv haben wir sehr wohl auch wahrgenommen, dass Ihr anschließender Besuch beim deutschen Präsidenten eine Inszenierung war.

Halten Sie uns wirklich für so blöd?
Soviel sei Ihnen verraten: wir sind sehr wachsam.

Viele von uns wissen, was hier auf diesem Planeten gespielt wird.

Ihrer überraschten Reaktion entnehme ich, dass sie es (noch) nicht wissen.
Das ist ok. Jeder wacht irgendwann mal auf.

 

Die Ignoranz und Gleichgültigkeit gegenüber der repressiven Situation in der Türkei, die Sie durch Ihre Aktion offenbart haben, Herr Gündoĝan, haben wir zur Kenntnis genommen.

 

Alle Religionen haben ihren Ursprung in Gott. Das ist ihr verbindender Aspekt. In der christlichen Religion gibt es einen Spruch, einen mit stoischer Wahrheit: “Man wird sie an ihren Taten erkennen, nicht an ihren Worten.”
Sie zeigen Respekt für einen der menschenverachtendsten Despoten unserer Zeit, Herr Gündoĝan. Das hat nichts, aber auch gar nichts mit Höflichkeit zu tun. Bestenfalls ist das blinder Gehorsam, zementiert durch kulturellen Patriarchalismus. Es ist kein Akt von Höflichkeit, sich vor laufenden Kameras einem alten Mann anzubiedern, der seine Macht rücksichts- und bedenkenlos jenen gegenüber ausnutzt, die sich ihm in den Weg stellen.

 

Ich kann nachvollziehen, dass die Heftigkeit der öffentlichen Reaktionen für Sie überraschend kam. Ich kenne Sie nicht persönlich und weiß nicht, wie Sie leben. Daher kann ich mir kein Urteil darüber erlauben, ob dies alles wirklich so überraschend für Sie war.
Wir alle leben in mehr oder weniger großen Realitätsblasen. Vielleicht ist Ihre ja tatsächlich so angelegt, dass Sie alles Unterdrückende, alles Ungerechte, alles Inakzeptable, alles Menschenverachtende – in der Türkei ausblendet.
Kann ja sein. Ich mutmaße nur. Ich weiß es nicht. Sie wissen das sicher besser als ich.

 

Und ich hoffe, das nächste Mal wenn Sie sich auf die Meinungsfreiheit berufen, Herr Gündoĝan, dann denken Sie bitte vorher an die Intelligenz der Masse.
Wir sind sehr wohl in der Lage eins und eins zusammenzuzählen. Ob sie bewußt oder unbewußt auf dieser Ebene kommunizieren … auf jeden Fall kommunizieren sie. Und wir registrieren das.

Unbewußte Kommunikation ist keine Entschuldigung.
Aber unsere Reaktion auf Ihre Unbewußtheit, wird Ihnen hoffentlich Anstoß zur Reflektion geben.

 

Für uns ist es nicht hinnehmbar, dass jemand der uns als Kollektiv in der Öffentlichkeit präsentiert – als Teil der “Mannschaft” – unsere kollektiven Anstrengungen (und damit sind nicht nur jene auf deutscher oder türkischer Ebene gemeint) so denunziert.

Auch nicht, wenn er nicht weiß, was er tut.

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