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Greta Thunberg’s Rede vor dem US Kongreß am 19.09.2019; eigene Übersetzung


 

Mein Name ist Greta Thunberg, ich bin 16 Jahre alt und komme aus Schweden. Ich bin dankbar, dass ich hier bei Euch in den USA sein kann. Einem Land, dass für viele Menschen das Land ihrer Träume ist.

Ich habe auch einen Traum: dass Regierungen, politische Parteien und Unternehmen die Dringlichkeit der Klima- und ökologischen Krise begreifen, und trotz ihrer Unterschiede zusammenkommen – wie man das bei einem Notfall tut – und die Maßnahmen ergreifen würden, die notwendig sind um die Bedingungen für ein würdevolles Leben für Jedermann auf Erden zu gewährleisten.

Weil dann könnten wir – Millionen von schulstreikenden Jugendlichen – nämlich zurück in die Schule gehen.

 

Ich habe einen Traum, dass jene Personen mit Macht, und auch die Medien, beginnen diese Krise als den existentiellen Notfall behandeln, der er ist. Damit ich wieder nach Hause zu meiner Schwester und meinen Hunden gehen kann. Ich vermisse sie nämlich.

In der Tat, ich habe viele Träume. Aber wir schreiben das Jahr 2019. Und es ist weder die Zeit noch der Platz für Träume. Es ist die Zeit um aufzuwachen. Dies ist der Moment in der Geschichte, in dem wir hellwach sein müssen.

Und ja, wir brauchen Träume. Wir können nicht ohne sie leben. Aber alles hat seine Zeit. Und Träume dürfen nicht im Wege stehen, um zu sagen wie es in Wirklichkeit um uns steht.

Und dennoch, überall wo ich hingehe, scheine ich umgeben von Märchen zu sein. Wirtschaftsführer ebenso wie gewählte Funktionäre im gesamten politischen Spektrum verbringen ihre Zeit damit Gute-Nacht-Geschichten zu erfinden und zu erzählen, die uns besänftigen sollen, und uns wieder zurück in den Schlaf wiegen sollen.

 

Dies sind nichts als “Gut-Fühl-Geschichten”, wie wir alles wieder reparieren können. Wie wunderbar alles sein wird, wenn wir alles “gelöst” haben. Aber das Problem dem wir gegenüber stehen, ist nicht dass wir nicht träumen könnten oder uns eine bessere Welt vorstellen könnten. Das Problem ist, dass wir aufwachen müssen. Es ist an der Zeit, dass wir der Realität, den Fakten, der Wissenschaft ins Angesicht schauen.

Und die Wissenschaft spricht nicht hauptsächlich von “großartigen Gelegenheiten um jene tolle Gesellschaft zu erschaffen, die wir immer wollten”. Sie spricht von unerwähntem menschlichen Leiden, welches schlimmer und schlimmer wird je länger wir Taten hinausschieben – Außer wir beginnen jetzt zu handeln. Und natürlich, eine nachhaltig transformierte Welt würde eine Menge von Vorteilen bereithalten. Aber ihr müßt verstehen. Dies ist nicht primär eine Gelegenheit, um neue grüne Jobs, neue Unternehmen oder grünes wirtschaftliches Wachstum zu schaffen. Über allem steht, dass dies ein Notfall ist – nicht irgendein Notfall. Dies ist die größte Krise, die die Menschheit je zu meistern hatte.

 

„Hört auf den Menschen zu sagen, dass schon alles gut werden wird, wenn es doch im Moment so aussieht, als würde es das nicht.“

 

Und wir müssen diese auch als solche behandeln, so dass die Menschen es nachvollziehbar finden und deren Dringlichkeit erfassen. Weil man kann keine Krise lösen, wenn man sie nicht als solche behandelt. Hört auf den Menschen zu sagen, dass schon alles gut werden wird, wenn es doch im Moment so aussieht, als würde es das nicht. Das ist nicht etwas, dass man hübsch verpacken kann, verkaufen kann oder in den sozialen Medien “liken” kann.

Hört auf so zu tun, als ob Eure Geschäftsideen, Eure politische Partei oder Euer Plan irgendetwas lösen wird können. Wir müssen realisieren, dass wir die Lösungen einfach noch nicht alle haben. Wir sind weit davon entfernt. Außer wenn diese Lösungen bedeuten, dass wir einfach aufhören bestimmte Sachen zu tun.

 

Es ist kein Fortschritt, wenn man eine disaströse Energiequelle mit einer etwas weniger disaströsen Energiequelle ablöst. Unsere Abgase ins Ausland zu exportieren bedeutet nicht diese zu reduzieren. Kreative Buchhaltung ist nicht hilfreich. In Wirklichkeit ist diese das Kernstück des Problems.

Einige von Euch haben vielleicht gehört, dass wir vom 1. Januar 2018 an noch 12 Jahre haben, um unsere Kohlendioxidemissionen um die Hälfte zu reduzieren. Aber ich vermute, dass so gut wie niemand von Euch davon gehört hat, dass es lediglich eine 50-prozentige Chance gibt, um unterhalb des 1,5°C Anstiegs der globalen Temperatur zu bleiben. 50 Prozent!

Und diese aktuellen, am besten verfügbaren wissenschaftlichen Berechnungen schließen noch nicht die nicht-linearen Wendepunkte ein. Und ebenso nicht die meist unvorhersehbaren Feedback-Loops, wie das extrem machtvolle Methangas, dass aus den schnell auftauenden Permafrostböden entweicht. Oder die bereits stattfindende Erwärmung durch toxische Luftverschmutzung. Oder den Aspekt von Gleichheit; die Klimagerechtigkeit.

Eine 50-Prozent-Chance also – ein statistischer Münzwurf – wird ganz sicher nicht genug sein. Moralisch wäre das unmöglich zu verteidigen. Oder würde irgendjemand von Euch in ein Flugzeug steigen, wenn Ihr wüsstet dass es eine mehr als 50-prozentige Wahrscheinlichkeit gibt, dass es abstürzte? Oder um es noch mehr auf den Punkt zu bringen: Würdet Ihr Eure Kinder in dieses Flugzeug steigen lassen?

Und warum ist es so wichtig, dass wir unter dem 1,5 Grad Limit bleiben? Weil das das ist, wonach die Wissenschaft verlangt, um ein sich destabilisierendes Klima zu verhindern, so dass wir von einer unumkehrbaren Kettenreaktion verschont bleiben. Sogar bei nur 1 Grad Erwärmung werden wir einen inakzeptablen Verlust von Leben und Lebensgrundlagen sehen.

 

Wo sollen wir anfangen? – Ich würde vorschlagen, wir schauen mal auf Seite 108 in Kapital 2 des IPCC Berichts, welcher letztes Jahr veröffentlicht wurde. Dort finden wir, dass falls wir eine 67-prozentige Chance haben wollen um unter den 1,5° C Limit bleiben zu wollen, wir am 01.01.2018 noch 420 Gigatonnen CO2 übrig haben in unserem Kohlendioxidbudget. Und es ist logisch, dass diese Zahl heute bereits deutlich kleiner ist. Wir stoßen in etwa 42 Gigatonnen CO2 jedes Jahr aus, wenn man die Landnutzung mit einrechnet.

 

Von den heutigen Abgasniveaus ausgehend, wird das uns noch verbleibende Budget für weniger als 8 ½ Jahre reichen. Diese Werte sind nicht meine Meinung. Sie sind niemanden’s Meinung oder politische Ansichten. Das sind die im Moment am aktuellsten verfügbaren wissenschaftlichen Daten. Obwohl eine große Anzahl an Wissenschaftlern darauf hinweist, dass sogar diese Schätzungen noch zu bescheiden sind. Aber es sind die Werte, die vom IPCC von allen Nationen als anerkannt gelten.

Und nehmt bitte zur Kenntnis, dass diese Zahlen globale Werte sind, und damit keine Aussage zum Aspekt der Gleichheit treffen, welches so klar im Pariser Vertrag eingebunden wurde und absolut notwendig ist, um das Ganze in einem globalen Rahmen zu implementieren. Das bedeutet, dass reichere Länder ihren fairen Anteil leisten müssen. Sie müssen viel schneller runter auf null Emissionen kommen, so dass die Menschen in ärmeren Ländern ihren Lebensstandard erhöhen können, indem sie sich teilweise die Infrastruktur aufbauen können, die wir für uns bereits geschaffen haben. Zum Beispiel Straßen, Krankenhäuser, Schulen, sauberes Trinkwasser und Elektrizität.

 

„Noch nicht einmal die Journalisten die ich treffe, scheinen eine Ahnung davon zu haben. Und von den Politikern ganz zu schweigen.“

 

Die USA sind der größte Kohlenstoffverschmutzer in der Geschichte. Sie sind ebenso weltweit die Nummer eins im Produzieren von Öl. Und dennoch, seid Ihr die einzige Nation der Welt, die seine starke Absicht kundgetan hat, aus dem Pariser Abkommen auszusteigen. Weil Anführungszeichen: ‚es war ein schlechter Deal für die USA‘.

Vierhundertundzwanzig Gigatonnen Kohlendioxid sind zum Stichtag 01.01.2018 noch übrig, um unter dem 1,5 Grad-Ziel eines globalen Temperaturanstiegs zu bleiben. Diese Zahl ist jetzt bereits bei weniger als 360 Gigatonnen.

Diese Zahlen sind sehr ungemütlich. Aber die Menschen haben ein Recht darauf es zu wissen. Und die große Mehrheit von uns hat keine Ahnung, dass es diese Zahlen überhaupt gibt. In der Tat, noch nicht einmal die Journalisten die ich treffe, scheinen eine Ahnung davon zu haben. Und von den Politikern ganz zu schweigen. Aber dennoch sind sich alle so sehr sicher, dass ihr politischer Plan die ganze Krise lösen wird.

 

Aber wie können wir ein Problem lösen, wenn wir es noch nicht einmal vollständig verstehen? Wie können wir das größere Bild und die wissenschaftlichen Zahlen einfach so weglassen?

Ich glaube dass es sehr gefährlich ist, wenn man das so macht. Und egal wie politisch der Hintergrund zu der Krise auch sein mag, wir dürfen nicht hinnehmen, dass das weiterhin eine Frage von Parteianhängern ist. Die Klima- und ökologische Krise ist etwas jenseits von Parteipolitiken. Und unser Hauptfeind sind nicht unsere politischen Kontrahenten. Unser Hauptfeind ist die Physik. Und mit Physik kann man keine “Deals” machen.

Alle sagen, dass das Erbringen von Opfern für das Überleben der Biosphäre – und zur Sicherstellung der Lebensbedingungen für zukünftige und heutige Generationen – unmöglich sei.

Amerikaner haben aber schon früher große Opfer erbracht um schreckliche Gegebenheiten zu überwinden.

Denkt an die mutigen Soldaten, die sich am D-Day an Omaha Beach an Land stürzten. Denkt an Martin Luther King und die 600 anderen Bürgerrechtler, die mit ihrem Marsch von Selma nach Montgomery alles riskiert haben. Denkt an Präsident John F. Kennedy, der Amerika im Jahre 1962 davon in Kenntnis setzte, dass das Land “in dieser Dekade auf dem Mond landen werde und noch weitere Dinge tun werde, nicht weil sie einfach seien, sondern weil sie schwer seien …”.

Vielleicht ist es unmöglich. Aber auf diese Zahlen schauend – auf die gerade am besten verfügbaren wissenschaftlichen Zahlen, die von jedem Land anerkannt wurden – glaube ich, das ist ganz genau das womit wir uns auseinandersetzen müssen.

Aber Ihr dürft Eure Zeit nicht mit Tagträumereien verbringen. Oder mit einem politischen Kampf, den es zu gewinnen gölte.

Und Ihr dürft nicht die Zukunft Eurer Kinder mit einem Münzwurf verspielen.

Stattdessen müßt Ihr Euch hinter der Wissenschaft vereinen.

Ihr müßt Taten folgen lassen.

Ihr müßt das Unmögliche tun.

Weil Aufzugeben nie eine Option sein kann. Niemals.

Greta Thunberg’s Rede vor dem US Kongreß am 19.09.2019; eigene Übersetzung


 

Mein Name ist Greta Thunberg, ich bin 16 Jahre alt und komme aus Schweden. Ich bin dankbar, dass ich hier bei Euch in den USA sein kann. Einem Land, dass für viele Menschen das Land ihrer Träume ist.

Ich habe auch einen Traum: dass Regierungen, politische Parteien und Unternehmen die Dringlichkeit der Klima- und ökologischen Krise begreifen, und trotz ihrer Unterschiede zusammenkommen – wie man das bei einem Notfall tut – und die Maßnahmen ergreifen würden, die notwendig sind um die Bedingungen für ein würdevolles Leben für Jedermann auf Erden zu gewährleisten.

Weil dann könnten wir – Millionen von schulstreikenden Jugendlichen – nämlich zurück in die Schule gehen.

 

Ich habe einen Traum, dass jene Personen mit Macht, und auch die Medien, beginnen diese Krise als den existentiellen Notfall behandeln, der er ist. Damit ich wieder nach Hause zu meiner Schwester und meinen Hunden gehen kann. Ich vermisse sie nämlich.

In der Tat, ich habe viele Träume. Aber wir schreiben das Jahr 2019. Und es ist weder die Zeit noch der Platz für Träume. Es ist die Zeit um aufzuwachen. Dies ist der Moment in der Geschichte, in dem wir hellwach sein müssen.

Und ja, wir brauchen Träume. Wir können nicht ohne sie leben. Aber alles hat seine Zeit. Und Träume dürfen nicht im Wege stehen, um zu sagen wie es in Wirklichkeit um uns steht.

Und dennoch, überall wo ich hingehe, scheine ich umgeben von Märchen zu sein. Wirtschaftsführer ebenso wie gewählte Funktionäre im gesamten politischen Spektrum verbringen ihre Zeit damit Gute-Nacht-Geschichten zu erfinden und zu erzählen, die uns besänftigen sollen, und uns wieder zurück in den Schlaf wiegen sollen.

 

Dies sind nichts als “Gut-Fühl-Geschichten”, wie wir alles wieder reparieren können. Wie wunderbar alles sein wird, wenn wir alles “gelöst” haben. Aber das Problem dem wir gegenüber stehen, ist nicht dass wir nicht träumen könnten oder uns eine bessere Welt vorstellen könnten. Das Problem ist, dass wir aufwachen müssen. Es ist an der Zeit, dass wir der Realität, den Fakten, der Wissenschaft ins Angesicht schauen.

Und die Wissenschaft spricht nicht hauptsächlich von “großartigen Gelegenheiten um jene tolle Gesellschaft zu erschaffen, die wir immer wollten”. Sie spricht von unerwähntem menschlichen Leiden, welches schlimmer und schlimmer wird je länger wir Taten hinausschieben – Außer wir beginnen jetzt zu handeln. Und natürlich, eine nachhaltig transformierte Welt würde eine Menge von Vorteilen bereithalten. Aber ihr müßt verstehen. Dies ist nicht primär eine Gelegenheit, um neue grüne Jobs, neue Unternehmen oder grünes wirtschaftliches Wachstum zu schaffen. Über allem steht, dass dies ein Notfall ist – nicht irgendein Notfall. Dies ist die größte Krise, die die Menschheit je zu meistern hatte.

 

„Hört auf den Menschen zu sagen, dass schon alles gut werden wird, wenn es doch im Moment so aussieht, als würde es das nicht.“

 

Und wir müssen diese auch als solche behandeln, so dass die Menschen es nachvollziehbar finden und deren Dringlichkeit erfassen. Weil man kann keine Krise lösen, wenn man sie nicht als solche behandelt. Hört auf den Menschen zu sagen, dass schon alles gut werden wird, wenn es doch im Moment so aussieht, als würde es das nicht. Das ist nicht etwas, dass man hübsch verpacken kann, verkaufen kann oder in den sozialen Medien “liken” kann.

Hört auf so zu tun, als ob Eure Geschäftsideen, Eure politische Partei oder Euer Plan irgendetwas lösen wird können. Wir müssen realisieren, dass wir die Lösungen einfach noch nicht alle haben. Wir sind weit davon entfernt. Außer wenn diese Lösungen bedeuten, dass wir einfach aufhören bestimmte Sachen zu tun.

 

Es ist kein Fortschritt, wenn man eine disaströse Energiequelle mit einer etwas weniger disaströsen Energiequelle ablöst. Unsere Abgase ins Ausland zu exportieren bedeutet nicht diese zu reduzieren. Kreative Buchhaltung ist nicht hilfreich. In Wirklichkeit ist diese das Kernstück des Problems.

Einige von Euch haben vielleicht gehört, dass wir vom 1. Januar 2018 an noch 12 Jahre haben, um unsere Kohlendioxidemissionen um die Hälfte zu reduzieren. Aber ich vermute, dass so gut wie niemand von Euch davon gehört hat, dass es lediglich eine 50-prozentige Chance gibt, um unterhalb des 1,5°C Anstiegs der globalen Temperatur zu bleiben. 50 Prozent!

Und diese aktuellen, am besten verfügbaren wissenschaftlichen Berechnungen schließen noch nicht die nicht-linearen Wendepunkte ein. Und ebenso nicht die meist unvorhersehbaren Feedback-Loops, wie das extrem machtvolle Methangas, dass aus den schnell auftauenden Permafrostböden entweicht. Oder die bereits stattfindende Erwärmung durch toxische Luftverschmutzung. Oder den Aspekt von Gleichheit; die Klimagerechtigkeit.

Eine 50-Prozent-Chance also – ein statistischer Münzwurf – wird ganz sicher nicht genug sein. Moralisch wäre das unmöglich zu verteidigen. Oder würde irgendjemand von Euch in ein Flugzeug steigen, wenn Ihr wüsstet dass es eine mehr als 50-prozentige Wahrscheinlichkeit gibt, dass es abstürzte? Oder um es noch mehr auf den Punkt zu bringen: Würdet Ihr Eure Kinder in dieses Flugzeug steigen lassen?

Und warum ist es so wichtig, dass wir unter dem 1,5 Grad Limit bleiben? Weil das das ist, wonach die Wissenschaft verlangt, um ein sich destabilisierendes Klima zu verhindern, so dass wir von einer unumkehrbaren Kettenreaktion verschont bleiben. Sogar bei nur 1 Grad Erwärmung werden wir einen inakzeptablen Verlust von Leben und Lebensgrundlagen sehen.

 

Wo sollen wir anfangen? – Ich würde vorschlagen, wir schauen mal auf Seite 108 in Kapital 2 des IPCC Berichts, welcher letztes Jahr veröffentlicht wurde. Dort finden wir, dass falls wir eine 67-prozentige Chance haben wollen um unter den 1,5° C Limit bleiben zu wollen, wir am 01.01.2018 noch 420 Gigatonnen CO2 übrig haben in unserem Kohlendioxidbudget. Und es ist logisch, dass diese Zahl heute bereits deutlich kleiner ist. Wir stoßen in etwa 42 Gigatonnen CO2 jedes Jahr aus, wenn man die Landnutzung mit einrechnet.

 

Von den heutigen Abgasniveaus ausgehend, wird das uns noch verbleibende Budget für weniger als 8 ½ Jahre reichen. Diese Werte sind nicht meine Meinung. Sie sind niemanden’s Meinung oder politische Ansichten. Das sind die im Moment am aktuellsten verfügbaren wissenschaftlichen Daten. Obwohl eine große Anzahl an Wissenschaftlern darauf hinweist, dass sogar diese Schätzungen noch zu bescheiden sind. Aber es sind die Werte, die vom IPCC von allen Nationen als anerkannt gelten.

Und nehmt bitte zur Kenntnis, dass diese Zahlen globale Werte sind, und damit keine Aussage zum Aspekt der Gleichheit treffen, welches so klar im Pariser Vertrag eingebunden wurde und absolut notwendig ist, um das Ganze in einem globalen Rahmen zu implementieren. Das bedeutet, dass reichere Länder ihren fairen Anteil leisten müssen. Sie müssen viel schneller runter auf null Emissionen kommen, so dass die Menschen in ärmeren Ländern ihren Lebensstandard erhöhen können, indem sie sich teilweise die Infrastruktur aufbauen können, die wir für uns bereits geschaffen haben. Zum Beispiel Straßen, Krankenhäuser, Schulen, sauberes Trinkwasser und Elektrizität.

 

„Noch nicht einmal die Journalisten die ich treffe, scheinen eine Ahnung davon zu haben. Und von den Politikern ganz zu schweigen.“

 

Die USA sind der größte Kohlenstoffverschmutzer in der Geschichte. Sie sind ebenso weltweit die Nummer eins im Produzieren von Öl. Und dennoch, seid Ihr die einzige Nation der Welt, die seine starke Absicht kundgetan hat, aus dem Pariser Abkommen auszusteigen. Weil Anführungszeichen: ‚es war ein schlechter Deal für die USA‘.

Vierhundertundzwanzig Gigatonnen Kohlendioxid sind zum Stichtag 01.01.2018 noch übrig, um unter dem 1,5 Grad-Ziel eines globalen Temperaturanstiegs zu bleiben. Diese Zahl ist jetzt bereits bei weniger als 360 Gigatonnen.

Diese Zahlen sind sehr ungemütlich. Aber die Menschen haben ein Recht darauf es zu wissen. Und die große Mehrheit von uns hat keine Ahnung, dass es diese Zahlen überhaupt gibt. In der Tat, noch nicht einmal die Journalisten die ich treffe, scheinen eine Ahnung davon zu haben. Und von den Politikern ganz zu schweigen. Aber dennoch sind sich alle so sehr sicher, dass ihr politischer Plan die ganze Krise lösen wird.

 

Aber wie können wir ein Problem lösen, wenn wir es noch nicht einmal vollständig verstehen? Wie können wir das größere Bild und die wissenschaftlichen Zahlen einfach so weglassen?

Ich glaube dass es sehr gefährlich ist, wenn man das so macht. Und egal wie politisch der Hintergrund zu der Krise auch sein mag, wir dürfen nicht hinnehmen, dass das weiterhin eine Frage von Parteianhängern ist. Die Klima- und ökologische Krise ist etwas jenseits von Parteipolitiken. Und unser Hauptfeind sind nicht unsere politischen Kontrahenten. Unser Hauptfeind ist die Physik. Und mit Physik kann man keine “Deals” machen.

Alle sagen, dass das Erbringen von Opfern für das Überleben der Biosphäre – und zur Sicherstellung der Lebensbedingungen für zukünftige und heutige Generationen – unmöglich sei.

Amerikaner haben aber schon früher große Opfer erbracht um schreckliche Gegebenheiten zu überwinden.

Denkt an die mutigen Soldaten, die sich am D-Day an Omaha Beach an Land stürzten. Denkt an Martin Luther King und die 600 anderen Bürgerrechtler, die mit ihrem Marsch von Selma nach Montgomery alles riskiert haben. Denkt an Präsident John F. Kennedy, der Amerika im Jahre 1962 davon in Kenntnis setzte, dass das Land “in dieser Dekade auf dem Mond landen werde und noch weitere Dinge tun werde, nicht weil sie einfach seien, sondern weil sie schwer seien …”.

Vielleicht ist es unmöglich. Aber auf diese Zahlen schauend – auf die gerade am besten verfügbaren wissenschaftlichen Zahlen, die von jedem Land anerkannt wurden – glaube ich, das ist ganz genau das womit wir uns auseinandersetzen müssen.

Aber Ihr dürft Eure Zeit nicht mit Tagträumereien verbringen. Oder mit einem politischen Kampf, den es zu gewinnen gölte.

Und Ihr dürft nicht die Zukunft Eurer Kinder mit einem Münzwurf verspielen.

Stattdessen müßt Ihr Euch hinter der Wissenschaft vereinen.

Ihr müßt Taten folgen lassen.

Ihr müßt das Unmögliche tun.

Weil Aufzugeben nie eine Option sein kann. Niemals.

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